Marina Marquardt (CDU), In-grid Siebke (SPD) und natürlich Helga Böhnisch (Die Linke): Die Liste der Eisenhüttenstädter, die in den vergangenen Jahren im Landtag saßen ist nicht klein. Man kann dazu fast auch Detlef Baer (SPD) zählen, der als Nachrücker im Landtag engagierte Arbeit für die Region und Eisenhüttenstadt geleistet hat, in der Stahlstadt ein Wahlkreisbüro führte. Doch damit ist es erst einmal vorbei. Der Groß Briesener Andreas Gliese hat für die CDU das Direktmandat mit 24,29 Prozent geholt. Im Wahlkreis 29, zu dem neben Eisenhüttenstadt die Ämter Neuzelle, Brieskow-Finkenheerd und Schlaubetal sowie die Stadt Friedland gehören, setzte sich der Landwirt gegen acht Mitbewerber durch. Gliese zeigte sich "völlig baff", hatte mit diesem Ergebnis nie gerechnet, denn in dem Wahlkreis mit Eisenhüttenstadt lagen Linke und SPD traditionell immer vorn. Vor fünf Jahren lag er noch an dritter Stelle. "Darüber muss ich erst mal schlafen, aber ich danke allen, die mir ihr Vertrauen gaben", sagte der 46-jährige.
Sehr enttäuscht zeigte sich Detlef Baer. "Ich kann meine Enttäuschung nicht verbergen, auch über das Abschneiden der AfD." Offensichtlich sei man beim wichtigen Thema innere Sicherheit nicht glaubwürdig genug rübergekommen, nennt er einen möglichen Grund für das schlechte Abschneiden. Dass er noch über die Landesliste ins Parlament einzieht, ist unwahrscheinlich. Baer, der unter anderem einen Preis für das Ehrenamt gestiftet hatte, sich für Arbeitnehmerrechte unter anderem mit einem Betriebsrätestammtisch engagierte, erhielt deutlich weniger Erststimmen als seine Partei Zweitstimmen. "Ich werde mein Wahlkreisbüro räumen und in die Gewerkschaftsarbeit zurückkehren", sagte Baer.
Heidi Wiechmann immerhin kann für sich verbuchen, dass sie mehr Erststimmen geholt hat als ihre Partei Zweitstimmen. Wobei sie auch dabei nur knapp den AfD-Kandidaten Wilfried Selenz auf Distanz gehalten hat. Dass ihr Erststimmenergebnis über dem Landesschnitt der Linken lag, ist aus Sicht von Jörg Mernitz, Fraktionsvorsitzender der Linken in der Eisenhüttenstädter Stadtverordnetenversammlung, Zeichen dafür, dass Heidi Wiechmann eine gute Wahl und Kandidatin gewesen sei. "Das ist ganz schön ernüchternd", sagte Heidi Wiechmann zum Verlust des Direktmandates für die Linke, welches vor fünf Jahren noch die inzwischen verstorbene Helga Böhnisch souverän für ihre Partei geholt hatte.
Aber nicht nur der Verlust des Direktmandates machte den Wahltag für die Linke in Eisenhüttenstadt und Umgebung zu einem rabenschwarz Tag. Die Sozialisten, die sich bisher mit der SPD um den ersten Platz in der Region stritten, wurden gleichsam vom Treppchen gestoßen, sind jetzt hinter der AfD nur noch viertstärkste Kraft.
Holt das Direktmandat für die CDU: Andreas Gliese.Foto: privat
Nur noch viertstärkste Kraft / CDU holt Direktmandat