In Müllrose sind jetzt die ersten Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine eingetroffen. Vorübergehend sind die beiden Frauen mit zwei Kindern bei einer Müllroser Familie untergekommen, denn: Eine der beiden Frauen ist hochschwanger und steht unmittelbar vor der Niederkunft. Seit Montag (7. März) befindet sie sich in Erwartung der Geburt im Klinikum in Frankfurt (Oder) „und es geht ihr gut“, informiert Mario Quast, Amtsdirektor im Amt Schlaubetal. Nach der Entbindung würden die dann fünf Ukrainer zeitnah in eine der acht kommunalen Wohnungen vor allem in der Frankfurter Straße und am Markt, die für geflüchtete Ukrainer in Müllrose zur Verfügung stehen, umziehen.

Vom Besteck bis zum Herd wird alles gebraucht

Die ersten zwei dieser leerstehenden Wohnungen, welche nach und nach hergerichtet werden, sind bereits fertig eingerichtet worden. Und eine sollte eigentlich auch schon bezogen sein: Für den 3. März war die Ankunft einer jungen Frau mit einem Säugling angekündigt worden. „Die Frau und ihr Kind sind aber in Frankfurt (Oder) geblieben, bei Bekannten“, weiß Mario Quast. Dass die Wohnungen nach und nach bezugsfertig gemacht werden können, unter Federführung des Bauhofes des Amtes, ist vor allem vielen Spendern zu verdanken. Die erste Möbelspende war von der evangelischen Kirchengemeinde gekommen, weitere von anderen privaten Spendern. Die Wohnungen müssen komplett eingerichtet werden – vom Essbesteck bis zu Betten und Schränken wird wirklich alles benötigt.

Frankfurt (Oder)/ Cottbus

„Wichtig ist, dass jetzt bedarfsgerecht und zielgerichtet gespendet wird“, betont der Amtsdirektor. Das heißt: Wer helfen möchte, solle bitte konkret das spenden, was benötigt wird. Die Amtsverwaltung hat eine Auflistung der fehlenden Möbel und Einrichtungsgegenstände auf ihrer Internetseite veröffentlicht. Die Liste gibt genau Auskunft darüber, wie viel Betten, Fernseher, Geschirr, Küchengeräte, Handtücher und anderes mehr gebraucht werden. Wer etwas davon zur Verfügung stellen kann, wird gebeten, das telefonisch oder per E-Mail der Amtsverwaltung mitzuteilen. Die Verwaltung koordiniert dann die Annahme und Übergabe. Ab dem 8. März hilft eine Studentin in der Amtsverwaltung bei der Koordinierung der Spendenverteilung.

Helme für Feuerwehr in der Ukraine

„Die Hilfsbereitschaft der Menschen im Amt Schlaubetal ist sehr hoch“, ist Mario Quast dankbar. Es gebe viele Angebote aus der Bürgerschaft, Sofas, Elektroherde und anderes für die Einrichtung der Wohnungen zu spenden. Ende vergangener Woche ist für die Koordinierung der Hilfe eine Arbeitsgruppe aus Freiwilligen, dem Bürgermeister, der Amtsverwaltung, der Amtsfeuerwehr und der evangelischen Kirchengemeinde gebildet worden. Diese Arbeitsgruppe steht unter der Leitung des Amtes und soll je nach Bedarf erweitert werden. Menschen, die mitmachen möchten, können sich per E-Mail an die Amtsverwaltung wenden: ukraine-hilfe@amt-schlaubetal.de.
Am Feuerwehrgerätehaus in Müllrose: Amtsdirektor Mario Quast (r) und weitere Vertreter warten auf den Abtransport der Ausrüstungsspende für die Feuerwehr in Iwano-Frankiwsk in der Ukraine.
Am Feuerwehrgerätehaus in Müllrose: Amtsdirektor Mario Quast (r) und weitere Vertreter warten auf den Abtransport der Ausrüstungsspende für die Feuerwehr in Iwano-Frankiwsk in der Ukraine.
© Foto: Amt Schlaubetal/Mario Quast
Mit zielgerichteten Spenden unterstützt das Amt Schlaubetal eine Feuerwehr in der Ukraine, und zwar die Feuerwehr von Iwano-Frankiwsk – einer Großstadt mit mehr als 230.000 Einwohnern in der Westukraine, südlich von Lwiw gelegen. Über das Netzwerk der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) hatte das Amt eine direkte Anfrage von dort bekommen. „Wir haben 20 Feuerwehrhelme, Schutzkleidung, Ferngläser mit Nachtsichtfunktion, Verbandsmaterial und Medikamente gespendet“, informiert Mario Quast. Die Ausrüstungsgegenstände stammten aus dem Bestand der Amtsfeuerwehr, überwiegend handle es sich um gebrauchte, aber voll funktionstüchtige Teile. Der Müllroser Hilfe angeschlossen hat sich nach Vermittlung der Müllroser Jägerschaft die Gemeinde Spreewaldheide (Dahme-Spreewald), die Verbandsmaterial zur Verfügung stellte. Zusammen mit weiteren Spenden sind all diese Dinge am Wochenende mit einem Sattelschlepper nach Iwano-Frankiwsk gebracht worden. Die Bitte um schusssichere Westen – angeblich werden in der Ukraine Feuerwehrleute während ihrer Einsätze beschossen – konnte die Amtsverwaltung nicht erfüllen.
Bis zu 30 Menschen in der Ukraine könnten in den acht kommunalen Wohnungen in Müllrose untergebracht werden, sagt der Amtsdirektor. Da es sich um Kriegsflüchtlinge handle, würden die Aufwendungen für Miete, Betriebskosten und Strom der Kommune später durch den Bund erstattet, erklärt er. Für die Betreuung der Ukrainer wolle man im Amt Schlaubetal ein Patensystem aufbauen. „Jeder Kriegsflüchtling hat nach der erfolgreichen Registrierung sofort Anspruch auf Unterstützungsleistungen“, antwortet er auf die Frage, wovon die Menschen ihren Lebensunterhalt bestreiten können werden. „Sie können sich dann selbst versorgen.“

Anspruch auf Sozialleistungen

Für die Registrierung der Kriegsflüchtlinge hat der Landkreis Oder-Spree einen Registrierungsbogen auf seiner Internetseite veröffentlicht. Ab dem 8. März soll dieser auch auf Ukrainisch verfügbar sein. Außerdem finden sich auf dieser Seite alle wichtigen Informationen für Flüchtlinge und für Deutsche, die helfen und Flüchtlinge aufnehmen wollen. Mario Quast weiß, dass im Amt Schlaubetal bereits mehrere geflüchtete Ukrainer leben. „Diese sind bei Privatleuten untergekommen. Zum Teil sind Leute einfach nach Frankfurt zum Bahnhof gefahren und haben gefragt, wer denn eine Unterkunft brauche.“ Auch diese Ukrainer sollten sich zeitnah beim Landkreis anmelden. Aber: „Das eilt nicht. Jetzt geht es erst einmal darum, alle Hilfebedürftigen unterzubringen“, betont der Amtsdirektor. „Die Menschen brauchen jetzt vor allem Ruhe.“
Wie Sie den Menschen aus der Ukraine helfen können, lesen Sie hier.