Es ist ein großer Schrank, der von außen recht unscheinbar aussieht. Wenn Paul van den Brandt die Türen öffnet, sieht man viel Technik, unter anderem viele Kupferelemente. "Zirka 85 Kilogramm an Kupferschienen sind hier als Leitungen für den elektrischen Strom verbaut", sagt der junge Ingenieur. Bei Unitechnik hat der Eisenhüttenstädter ein Duales Studium in Elektrotechnik absolviert und ist seit einigen Monaten als Planer mit dem neuen Projekt betraut. Denn das Unternehmen hat von Siemens eine Produktreihe übernommen, die in Eisenhüttenstadt eigenständig weiterentwickelt und gebaut wird.
"Vor gut einem Jahr ist Siemens an uns herangetreten und hat uns gefragt, ob wir eine Produktreihe übernehmen wollen, die Siemens in Österreich einstellen wollte", erinnert sich Dietmar Jost, Prokurist bei Unitechnik. Es handelt sich um die Reihe Sinamics DCM Cabinet, etwas vereinfacht gesagt, um Schaltschränke, in denen dafür gesorgt wird, dass Gleichstrom geregelt an die Antriebsmotoren großer Anlagen kommt. Als Beispiel nennt Dietmar Jost große Walzwerke, wo gleich mehrere solcher Schränke benötigt werden.
Für Unitechnik ist das nicht neu. Das Unternehmen, das weltweit unter anderem bei der Entwicklung großer Anlagen gefragt ist, hat auch bisher schon den Sinamics von Siemens mit verwendet. "Bisher haben wir diese Technik dazugekauft", sagt Dietmar Jost.
Dass Unitechnik die Produktreihe weiterführt, war aber nicht selbstverständlich. So hatte Siemens weitere Unternehmen angefragt, die sich auch beworben haben. Dietmar Jost hebt hervor: "Wir mussten mehrere Prüfungen durchlaufen. Im Mai wurden wir auditiert und haben den Zuschlag erhalten." Die Anforderungen seien hoch gewesen. Trotzdem betont er: "Siemens war ein angenehmer Partner."
Inzwischen ist der erste Schrank, 600 Kilogramm schwer, wie Paul van den Brandt sagt, an einen Kunden in Süddeutschland geliefert worden. Rund 25 Angebote wurden bereits an Kunden in ganz Europa verschickt. Vertriebsmanager Volker Schwarze, gebürtiger Eisenhüttenstädter, der nach anderen beruflichen Stationen zu Unitechnik gekommen ist, ist optimistisch, dass es Folgeaufträge gibt. Der nächste Auftrag ist auch schon im Haus.
Das technische Know how, solche anspruchsvollen Produkte herzustellen, ist in Eisenhüttenstadt vorhanden. Unitechnik bedient sich der Industrie 4.0, wie Dietmar Jost es ausdrückt. Die Komponenten und der komplette Schrank werden dreidimensional konzipiert, wofür Paul van den Brandt verantwortlich war. "Wir arbeiten auch mit regionalen Firmen zusammen", erklärt Dietmar Jost. Diese liefern Komponenten, die dann bei Unitechnik in der Fertigung zusammengefügt werden.
Die Schaltschränke sind nicht Produkte von der Stange. "Kein Schrank entspricht dem anderen", so Dietmar Jost. Auch steht Unitechnik mit anderen Firmen europaweit in Konkurrenz. Doch der Prokurist gibt sich selbstbewusst. Da Unitechnik schon seit Jahren selbst große Anlagen konzipiert, wisse man, was die Kunden mit der Anlage machen wollen. Außerdem habe man alles von der Planung, über die Hardware bis zur Fertigung im eignen Haus. "Wir können auch die Inbetriebnahme anbieten", nennt Dietmar Jost einen weiteren Vorteil.