„Wenn ich Urlaub in der Region machen, dann will ich sie auch unbedingt kosten“, sagt Barbara Kügler. Vor sich auf dem Tisch hat die Berliner Seniorin eine mit Neuzeller Bier knusprig gebackene Forelle aus Fünfeichen mit Kartoffel-Gurken-Gemüse – regionaler geht es wohl kaum.
Dass lokale Kost leicht im Magen und schwer im Trend liegt, weiß Manuel Bunke. Der 32-jährige Küchenchef der wilden Klosterküche mit langem Bart und grauer Mütze – seinem Markenzeichen – verzückt damit nicht nur Gäste von außerhalb. „Der Schlaubetal-Teller kommt auch bei den Gästen aus Neuzelle und Umgebung sehr gut an“, sagt Bunke. Allein zu Himmelfahrt am Donnerstag habe er 28 Schlaubetal-Teller verkauft.
Nur das Graupenrisotto mit Roter Bete, Gemüse, Schafskäse und Kapuzinerkresse sei an diesem Tag häufiger bestellt worden, bestätigt Bunke. Die Kresse stammt aus dem eigenen Kräutergarten, wo Bunke auch Oregano, Minze, Waldmeister und Currykraut anbaut.
Auf dem Speiseplan des hippen Restaurants mit Berliner Großstadtflair in Form von Schauküche, Neon-Schriftzug und Fabriklampen steht die Region ganz weit oben. Dreimal die Woche geht Küchenchef Bunke zur Fleischerei Baum gegenüber, setzt außerdem auf Gemüse von der Agrargenossenschaft und Forelle aus Fünfeichen. Seit einiger Zeit vertreibt der Weltenbummler auch eigene Marmelade mit regionalen Erdbeeren. „Die Leute identifizieren sich mit der regionalen Küche“, weiß Bunke. Seine Kunden hätten das Gefühl, die hiesige Produktion zu unterstützen und würden sich umgekehrt mit ihren Händlern identifizieren. „Und die Qualität ist teilweise weltklasse“, lobt der 32-Jährige, der viele Jahre im nahen und fernen Ausland gekocht hat. Nach seiner kulinarischen Reise um die halbe Welt kam er dorthin zurück, wo er 17 Jahre lang aufwuchs. Auf dem Menü steht nicht nur deswegen Lokales, kombiniert mit asiatischen Einflüssen – wie „Tuile“, der neueste Schrei aus Australien besteht aus Wasser, Öl und Mehl. Dass der wilde Klosterkoch Manuel Bunke Welt und Region zusammenbringt, beweist auch sein neuer Lehrling: der 18-jährige Ashan Jutt aus Syrien. Das kommt gut an: „Es schmeckt“, bestätigt Barbara Kügler. Sie kommt bestimmt wieder.