"Der junge Wolf lief gestern gegen 21 Uhr auf der Straße beziehungsweise auf dem Gehweg hin und her im Bereich der Beeskower Straße fast am Ortsausgang Richtung Fünfeichen", sagt Christine Hoffmann. Dann zog das Tier Richtung Ziegelweg ab, wo er von einer anderen Familie gesichtet worden ist. Ihr Mann Martin Drenkow hat mehrere Fotos mit dem Handy gemacht.
Wo wohnt Rotkäppchen?
Das Tier habe einen normalen Eindruck gemacht, "vielleicht etwas desorientiert. Aber aus der Entfernung ist das schwer einzuschätzen", sagt die Eisenhüttenstädterin. Einen Wolf habe sie im Stadtgebiet bisher noch nicht gesehen. "In Schönfließ an der Kiesgrube haben wir aber tatsächlich schon viele Spuren entdeckt, die auf den Wolf hindeuten", sagt Christine Hoffmann. "Aber damit hätten wir jetzt nicht gerechnet."
Auf Facebook, wo die Eisenhüttenstädterin ihre Bilder geteilt hat, ist der Wolf auch Thema. Scherzhaft wird gefragt, wo in Schönfließ das Rotkäppchen wohnt. Ein anderer Nutzer bestätigt die Beobachtungen von Christine Hoffmann. "Den Wolf haben wir übrigens schon zweimal live gesehen. Der haut aber sofort ab."
Tatsächlich tritt auch Lutz Ittermann, ehrenamtlicher Wolfsbeauftragter des Landkreises, Befürchtungen entgegen, die auch auf Facebook geäußert werden, dass von dem Wolf eine Gefahr ausgeht. "Der Wolf hat Scheu vor dem Menschen", sagt der Experte. Normalerweise ziehen die Tiere sich zurück, wenn man auf sie zuläuft. Anders könne es bei Welpen sein, die aber erst wieder im Sommer auftreten werden.
Dass sich Wölfe auch in die Stadtrandlagen vortrauen, sei nicht ungewöhnlich. Etwas flapsig gesprochen: Wenn die Bürgersteige hochgeklappt werden, kommen auch mal Wölfe. Lutz Ittermann hat allerdings noch nichts davon gehört, dass Wölfe in Eisenhüttenstadt gesichtet wurden. Andererseits: "Wölfe gibt es inzwischen überall."
Letzteres spricht auch dafür, dass nicht die Corona-Stille dafür verantwortlich ist, dass man in Eisenhüttenstadt Wildtieren begegnen kann. Auf Facebook ist auch von Füchsen die Rede. Und schon seit längerer Zeit sind Wildschweine ein großes Thema, die nicht nur auf der Insel sondern mitunter auch schon im Stadtgebiet herumgelaufen sind.
Schutzzaun auf dem Friedhof
Die robusten Tiere sorgen allerdings auch für Schäden im Stadtgebiet. Deshalb läuft derzeit zum Beispiel auf dem Inselfriedhof eine Schutzmaßnahme. "Der Friedhofzaun wird in vier Bauabschnitten ertüchtigt, um zu verhindern, dass Wildschweine den Maschendraht anheben können", sagt Michael Reichl, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung. Derzeit werde der erste Bauabschnitt an der südlichen Zaunseite realisiert. Bis Mitte Mai soll die Gesamtmaßnahme abgeschlossen sein. Die letzten Schäden, die durch Wildschweine auf dem Inselfriedhof zu verzeichnen waren, gab es im November des vergangenen Jahres. Ebenfalls im November sind auch im Stadtgebiet zuletzt Schäden registriert worden. Michael Reichl nennt da Bereiche in der Poststraße und vor allem auch auf der Insel.

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