Jetzt ist er oben ohne. Dem Wasserturm, Finsterwalder Wahrzeichen seit 1910, hatte der Sturm vor zwei Wochen die Spitze abgeknickt. Am Wochenende haben Kletterer aus Eisenhüttenstadt sie sie in einer spektakulären Aktion heruntergeholt.
Danny Frenz von der Firma Lurch Alpintec aus Eisenhüttenstadt hat sich für diesen Spezialauftrag der Stadtwerke Finsterwalde GmbH ein Team von Spezialisten – selbstständige Bau-, Industrie- und Höhenkletterer – gebucht. Seit fünf Jahren ist er mit seiner Firma der Mann für besonders hohe, besonders schwierige Arbeitsorte. Er und seine Leute werden gerufen, wenn Windkraftanlagen, Großindustrieanlagen, Fassaden, Silos oder Rohre repariert, gereinigt, dokumentiert oder abgesichert werden müssen. "Ein Kirchturm oder ein Wasserturm war bis jetzt noch nicht dabei. Wir wissen noch nicht, was uns dort oben erwartet", sagt Danny Frenz. Das Wetter aber spielt mit. Die Sonne lacht und es ist fast windstill.
Zum Team gehören Detlef Köhler, ein Handwerker aus Cottbus, Florian Fernow von der Fernow-Alpintechnik aus Kerkwitz, Alexander Kronawitt aus Eisenhüttenstadt – er ist mit 29 Jahren der Jüngste – und Mario Lehmann vom Team Delta Seiltechnik aus Bad Pyrmont, der die weiteste Anreise hatte und um 2.30 Uhr zu Hause gestartet ist. "Bei Wind von 9 Meter/Sekunde wird abgebrochen. Im Turm ist kein Licht, also trägt jeder seine Helmlampe. Kommt eine zweite Drohne ins Spiel wird sofort abgebrochen", sagt Danny Frenz. Alle unterschreiben.
Die Aktion wird von Steffen Franzeck mit Drohne festgehalten. Er hat sich mit seiner Firma "Drohnen Expertise" auf Dokumentationen spezialisiert und bietet den Stadtwerken nötige Drauf- und Nahsichten, um richtige Entscheidungen treffen zu können. Seine Drohne misst zuverlässig die Höhe des Wasserturms. "53 Meter plus Spitze", sagt Franzeck, ständig im Funkkontakt mit Chefkletterer Danny Frenz.
Die Männer ziehen schwer bepackt mit Seilen, Haken, Werkzeugen in den Turm. Vor ihnen liegen 150 Stufen. Kurz vor 10 Uhr klappen sie hoch droben ihre Leiter aus, um die Turmluke zu erreichen. Die ist eng, sehr eng und die Abdeckung macht, kaum aufgeschoben, einen Abgang und prallt dumpf auf den Erdboden. Gut, dass abgesperrt ist.  Waghalsig sieht der Ausstieg auf die Turmhaube aus, doch jeder Handgriff ist durchdacht. Über eine Schrägseilbahn und begleitet vom Beifall der Schaulustigen, die auf einer Videoleinwand alles verfolgen konnten, kommt die Turmzier um 12.30 Uhr heil auf dem Boden an. Ronny Feldhaus hat mit seinen Kindern Celina (6) und Benito (1) zugeschaut. "Ich wohne hier, wollte das aber aus der Nähe sehen", sagt er.
Kletterer Mario Lehmann resümiert: "Der Auftrag war kompliziert, aber auch cool. Es war mal was Anderes. Der Weg hierher hat sich gelohnt."  Danny Frenz atmet auf: "Es war warm und sehr aufregend. Es war schwierig, im Turm eine Halterung zur finden. Wir sind glücklich, dass alle wieder heil unten sind."