Es ist jetzt fast drei Wochen her, da meldete sich das Veterinäramt des Landkreises Oder-Spree bei Familie Rave in Heinersdorf bei Steinhöfel. Ob sie einen gefundenen Ziegenbock bei sich übergangsweise unterbringen könne, wurde die Familie gefragt. Die Amtsverwaltung Schlaubetal in Müllrose hatte um Unterstützung gebeten. Die Heinersdorfer sagten kurzerhand zu, leisteten mal wieder Amtshilfe.
"Wir hatten ja schon öfter Tiere hier, die wurden aber meistens vom Veterinäramt auf Gehöften beschlagnahmt", erzählt Friedrich Rave, der im Familienunternehmen seit Jahren mitarbeitet. Waren es in den vergangenen Jahren eher Kühe, Pferde oder Hunde, die auf dem Bauernhof mit untergestellt wurden, ist es dieses Mal aber ein Ziegenbock. "Das ist auch etwas Neues für uns", fügt der junge Mann lächelnd hinzu.
Der Ziegenbock war am 12. Januar zur Mittagszeit auf einer Straße im Müllroser Ortsteil Biegenbrück gefunden worden. Anwohner hatten das herrenlos am Straßenrand stehende Tier entdeckt und das Ordnungsamt informiert. Dieses wiederum hat dann die Freiwillige Feuerwehr um Hilfe gebeten, welche den kleinen Bock auf der Straße einfing. Mit einer amtlichen Bekanntmachung sucht das Amt Schlaubetal seitdem nach dem Besitzer des Tieres. Bis er sich meldet, wird der Ziegenbock in Heinersdorf betreut. Da bislang niemand den Bock vermisst, wird in Müllrose inzwischen gemutmaßt, jemand habe das Tier auf der Straße ausgesetzt.
Gefundene oder beschlagnahmte Hunde bleiben für 28 Tage in Heinersdorf. Danach wird entschieden, ob sie in Tierheim müssen. Ähnlich verhalte es sich bei beschlagnahmten Kühen oder Pferden, erzählt Friedrich Rave. "Wenn sich die Situation daheim bei den Besitzern gebessert hat, bekommen sie vom Veterinäramt das Okay, dass sie wieder zurückdürfen." Soweit ist man bei dem Geißbock aus Müllrose aber noch lange nicht. Noch gilt er als Fundtier. In Heinersdorf hat der kleine Bock drei Zippen zur Gesellschaft bekommen. Ob es da schon die eine oder andere Liebelei gibt? "Kann schon sein, dass er sich schon fortgepflanzt hat, aber ist ja nicht so einfach, er ist ja viel kleiner", sagt Friedrich Rave und lacht. Firmenchef Ludger Rave, der gerade auf den Hof kommt, verrät aber schmunzelnd, dass da durchaus "schon was passiert" sei.
Der Landwirtschaftsbetrieb von Familie Rave ist vor allem ein Schlachtbetrieb. Tiere werden in der Region aufgekauft, geschlachtet, das Fleisch weiterverkauft. Das bringe genügend ein, um zehn Mitarbeiter zu beschäftigen. Wer aber jetzt befürchtet, auch der kleine Ziegenbock könnte als Wurst enden, den kann Friedrich Rave beruhigen. Erstmal müssten sich die Ämter zum weiteren Vorgehen äußern, auch warte man noch auf das Futtergeld vom Amt Schlaubetal. Vor allem aber: "Der wird garantiert nicht geschlachtet. Der ist doch noch ein ganz junger Bock", versichert Friedrich Rave.
Gefüttert wird der Müllroser Ziegenbock mit Heu und Pellets. Gesund sieht er aus, wackelt mit seinen kleinen Hörnern und stinkt auch wie ein typischer Ziegenbock. Dass er gern klettert, wird schnell klar: Flugs ist er in die Futterraufe der Pellets gesprungen und guckt vergnügt in der Gegend herum. Die Zippen möchte Friedrich Rave auf jeden Fall verkaufen. "Und wenn sich für den Bock keiner findet, dann frag ich mal im Tierpark hier in Heinersdorf nach, ob wir ihn dort unterstellen können."