Die heimlich gemachten Bilder aus einer Schweinestallanlage der Agrargenossenschaft Neuzelle in Wellmitz haben in dieser Woche für Aufsehen gesorgt. Darauf ist zu sehen, wie 23 kleine Ferkel durch Schlagen auf den Boden getötet werden.
Der Tierschutzverein Animal Rights Watch, der Strafanzeige gegen die Agrargenossenschaft Neuzelle gestellt hat, hat der Märkischen Oderzeitung die Originalaufnahmen zur Verfügung gestellt, die Anfang Juni heimlich in einem der Ställe in Wellmitz gemacht wurden. Was zu sehen ist, schockiert: Kleine Ferkel werden aussortiert und auf dem Boden totgeschlagen. Die Agrargenossenschaft hatte bereits im Vorfeld der Veröffentlichung des Materials zugesichert: „Eventuelle Verstöße werden geahndet. Missstände stellen wir sofort ab und ziehen entsprechende Konsequenzen, sodass eine Wiederholung ausgeschlossen ist.“
Neuzelles Bürgermeister Dietmar Baesler hat die Bilder, die diese Woche schon im Fernsehen ausgestrahlt wurden, gesehen. „Ich war sprachlos“, sagte Baesler. Er werde sich schnellstmöglich um ein Gespräch mit der Spitze der Agrargenossenschaft bemühen.
Das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt (VLÜA) des Landkreises Oder-Spree hatte Mitte der Vorwoche die Kopie einer Strafanzeige gegen die Agrargenossenschaft erhalten, teilt Pressesprecher Mario Behnke mit. Daraufhin sei am 12. Juli unangekündigt eine Kontrolle des Betriebes erfolgt. „Die Feststellungen wurden dokumentiert und erforderliche Maßnahmen verfügt. Die Umsetzung am selben Tag wurde durch den Betriebsleiter zugesichert.“ Welche Feststellungen es gab, wird nicht gesagt. Die Dokumentation des Betriebes zum Sachverhalt werde ausgewertet, so die Kreisverwaltung. Die Ergebnisse würden zusammengefasst und als Bericht der Staatsanwaltschaft übergeben. Dort erfolge die Bearbeitung und Prüfung der Strafrelevanz.
Eine Tierschutzbeschwerde sei dem VLÜA vorab nicht zugestellt worden. „Das ist aus unserer Sicht unmittelbar nach Feststellung von Verstößen gegen Tierschutzrecht notwendig, um so schnell wie möglich Veränderungen im Sinne des Tierwohls herbeiführen zu können“, sagt der Pressesprecher und fügt an: „Daher an dieser Stelle wiederholt unsere Bitte an die Tierschutzvereine und alle Menschen, denen Verstöße auffallen: Informieren Sie unverzüglich die zuständigen Veterinärämter!“ Auf der Internetseite des Kreises sei ein kurzes Beschwerdeformular verfügbar. „Liegen Tatbestände vor, die Ordnungswidrigkeiten darstellen, wird ein Bußgeldverfahren eingeleitet, besteht der Verdacht auf eine Straftat wird der Sachverhalt der Staatsanwaltschaft übergeben.“
Kommt es zur Tötung von Tieren, so hat diese gemäß der Tierschutzschlacht-Verordnung zu erfolgen. Für Ferkel sind Betäubung durch Kopfschlag und anschließende Entblutung mittels Schnitt durch die Halsschlagader vorgeschrieben. Alternativ wären die Betäubung und Tötung mittels CO2-Gas möglich, teilt das Veterinäramt mit. „Nottötungen von Ferkeln sind nur für lebensschwache, nicht lebensfähige oder schwer verletzte, insbesondere auch missgebildete Ferkel erlaubt.“
Frank Matheus, Vorsitzender der Agrargenossenschaft Neuzelle, erklärte hinsichtlich der Vorgaben: „Mir ist bekannt, wie das zu geschehen hat. Wir haben die Leute dazu nachweislich mehrfach belehrt.“ Jetzt werde man klären, wen die Filmaufnahmen betreffen. Zudem habe man sofort mit der Abteilung gesprochen, dass so etwas nicht toleriert werde.
Der Landesbauernverband verurteilt die Aufnahmen aus dem Schweinestall, spricht von einer widerlichen Tat. In einer Erklärung heißt es: „Das betroffene Unternehmen ist uns als ein engagierter Betrieb bekannt, dem die Gesundheit seiner Nutztiere ein ehrliches Anliegen ist. Deshalb vertrauen wir auf die Aussage der Betriebsführung, dass die Missstände sofort abgestellt und die Verstöße geahndet werden.“