Sie machen eine ganz wichtige Arbeit hier“, sagt Julia Klöckner, die Bundeslandwirtschaftsministerin, am Donnerstag zu Mathias Marasus, der mit seinen Kollegen bei Vogelsang gerade den neuen Schweinepestzaun um die sogenannte weiße Zone aufbaut. Interessiert lässt sie sich erklären, was das besondere an diesem Wildschutzzaun ist. Marasus sagt, dass der Draht des 1,20 Meter hohen Zauns mit 3,7 Millimeter Durchmesser stärker ist als der bei normalen Zäunen. Dort wird ihm zufolge Zwei-Millimeter-Draht verflochten. Etwa acht Brigaden mit jeweils drei oder vier Personen seien aktuell im gefährdeten Gebiet unterwegs, um den Zaun schnellstmöglich zu errichten – vom Sonnenaufgang bis etwa 19 Uhr abends.

Blaue Plastikfüßlinge für alle

Die Bundesministerin, die sich für den Vor-Ort-Termin bei Vogelsang blaue Plastik-Füßlinge über ihre schwarzen Gummistiefel ziehen musste – wie übrigens alle Politiker, darunter Brandenburgs Ministerpräsident, Verwaltungsmitarbeiter und Journalisten auch – bedankt sich bei den Zaunbauern.
Bereits vorher, nach einer Beratung mit dem Krisenstab in der Landesfeuerschule in Eisenhüttenstadt, hatte Julia Klöckner betont: „Die Arbeit, die Brandenburg hier leistet, macht es nicht nur für das eigene Land, sondern für ganz Deutschland und ganz Europa, eben für alle Länder, wo wir als Deutschland gerade Pufferzone sind.“

Woidke: „Brandenburger sind krisenerfahren“

Etwa eine Stunde hatte die Beratung mit dem Krisenstab gedauert. Man sei aus einem „sehr, sehr ernsten Anlass“ zusammengekommen, meint Ministerpräsident Dietmar Woidke mit Blick auf die Afrikanische Schweinepest, von der es zu diesem Zeitpunkt am Donnerstagnachmittag bereits 54 bestätigte Fälle im Land gegeben hat – mehr als 40 davon im Landkreis Oder-Spree. „Wir sind unter Hochdruck, was was die Arbeiten betrifft, um die Seuchenherde ein- und abzugrenzen.“ Es dürfe keinen Virus-Eintrag in die Hausschweinbestände geben. Woidke lobt die Arbeit der Veterinärämter in den betroffenen Landkreisen und bedankt sich für die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr, dem Technischen Hilfswerk und dem Landesforst-Betrieb.
Alle im Krisenstab sich einig, dass man weiter schnell handeln müsse, um die Lage in den Griff zu bekommen. Die Auswirkungen auf die Landwirtschaft seien bereits jetzt massiv, so Woidke. „Aber ich glaube, dass wir Brandenburger in solchen Situationen erfahren sind, was Katastrophen und Krisen betrifft und dass wir mit der nötigen Konzentration, Entschlossenheit und Gemeinsamkeit diese Situation gut meistern können.“

Erst ASP-frei, wenn ein Jahr kein Fund

Julia Klöckner macht klar: „Deutschland ist erst dann wieder ASP-frei, wenn wir zwölf Monate lang keine Funde hatten.“ Deshalb sei sie so dankbar, dass so schnell versucht werde, Kadaver zu finden. Die Bundesministerin betont aber auch: „Die Pest wird nicht nur über vier Beine übertragen, sondern auch über vier Räder.“ Der Mensch spiele eine große Rolle bei der Verbreitung des Schweinepesterregers. Der könne über Autoreifen, Schuhe, aber auch über weggeworfene Wurstwaren übertragen werden. „Die komplette Bevölkerung muss dafür sensibilisiert werden.“ Sie versichert, dass Schweinefleisch aus Deutschland weiterhin in Europa gehandelt werden dürfe, wenn es nicht aus einem von ASP betroffenen Bundesland kommt. Außerdem sei man an den asiatischen Märkten dran.

Klöckner redet von schneller Entschädigung

Dennoch müsse man Landwirte, die durch die Schweinepest und deren Auswirkungen einen wirtschaftlichen Schaden haben, schnell entschädigen. Sie habe vom Ministerpräsidenten gehört, dass die Tierseuchenkasse in Brandenburg gut gefüllt sei, sagt sie.
„Wir lassen die Kommunen und Landkreis nicht allein“, versichert Brandenburgs Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher. Sie erklärt, dass das Land dieses Jahr sechs Millionen Euro für den festen Zaunbau bereitstelle. Klöckner wiederum meint, dass es eine Kofinanzierung der Europäischen Kommission geben könne. Außerdem spricht Ursula Nonnemacher von fünf Millionen Euro Verpflichtungsermächtigungen für das nächste Jahr. Das Land könne in Vorleistungen gehen, um zu helfen.

Der Zaun ist nicht der Retter für alles

Julia Klöckner erklärt, dass es illusorisch sei zu glauben, dass man ein Bundesland komplett abschirmen könne. Genauso illusorisch sei es zwischen Deutschland und Polen einen Zaun hochzuziehen, durch niemand durchkäme. Der Zaunbau sei außerdem nur ein Mosaiksteinchen zur Bekämpfung der ASP, nicht aber die Rettung für alles.
Das Land Brandenburg hat am Donnerstag weitere Informationen zur Weißen Zone herausgegeben: Bei dieser Zone handelt es sich um einen etwa fünf Kilometer breiten Streifen, der das Kerngebiet um Neuzelle/Sembten wie ein Halbkreis auf dem Gebiet der Landkreise Oder-Spree, Spree-Neiße und Dahme-Spreewald umschließt. Dieser Streifen habe eine Fläche von rund 285 Quadratkilometern und werde mit zwei festen Zaunreihen – einer äußeren und einer inneren – gesichert. Der Bau des äußeren Zauns der „weißen Zone“ hat jetzt begonnen.

Mehrere Wochen für Baumaßnahme

Parallel wird an Oder und Neiße zur Gefahrenabwehr ebenfalls ein fester Wildschutzzaun gebaut. Der Zaunbau lässt in der Öffentlichkeit viele Fragen entstehen: Darf man noch im Schlaubetal wandern oder radeln? Wenn ja, wo ist das noch möglich und welche Zugangswege gibt es? Werden Seen gesperrt?
Sobald beide Zaunreihen fertiggestellt sind, sollen möglichst alle Wildschweine im Rahmen der Tierseuchenbekämpfung geschossen werden.
Der äußere Zaun hat eine Länge von mehr als 50 Kilometern und verläuft mindestens fünf Kilometer entfernt vom inneren Zaun. Bei der Planung des Streckenverlaufs wurden ortskundige Jäger und Landwirte beteiligt. Die Einzäunung der weißen Zone startet am äußeren Rand unter anderem in Vogelsang und Ziltendorf. Zuerst wird der äußere Zaun fertig gebaut, anschließend der innere. Die Baumaßnahmen werden mehrere Wochen in Anspruch nehmen.