Zu einem Lebensretter ist Pfarrer Martin Groß jüngst in Neuzelle geworden. Er hat einen Storch aus einer ziemlich ausweglosen Situation befreit. Der evangelische Pfarrer, einer der Zisterziensermönche und ein weiterer Bekannter waren gerade im Bereich des Pfarramtes unterwegs, als ein junger Adebar sich nach einem Flugversuch auf einem Gebäude ausruhen wollte. Doch der scheinbar sichere Landeplatz erwies sich als Falle. „Der Storch rutschte die Schräge herunter“, erzählt Martin Groß. Dann herrschte Stille.
Die Männer reagierten blitzschnell, wollten wissen, ob sich der Vogel verletzt hatte. Sie öffneten die Tür, die zu dem Bereich führte, und fanden das Tier auf dem Boden vor. Aber es lebte, hatte keine sichtbaren Blessuren. Der Pfarrer hatte keine Mühe, den Storch hochzuheben. „Er war erstaunlich ruhig“, sagt er. „Er hat nicht nach mir gehackt.“ Das beweist ein kurzes Handy-Video, das von der Rettungsaktion auf dem Neuzeller Klostergelände existiert.
Dann kam der spannende Moment: Groß setzte das Tier auf dem Weg ab. Wieder herrschte Stille. Doch nach wenigen Sekunden berappelte sich der Storch, stand auf und flog davon. Nachdem der erste Versuch erneut nicht von langer Dauer war, gelang der zweite bereits besser. „Er ist schließlich in Richtung Orangerie geflogen“, berichtet der Pfarrer. Er vermutet, dass der Jungstorch zu einer Familie gehört, die ganz in der Nähe ein Nest hat.
Schon seit einigen Wochen erproben die in diesem Jahr geschlüpften Jungtiere ihre Flugkünste. Sie werden die ersten Störche sein, die sich Ende August, Anfang September auf den Weg gen Süden machen. Ihre Eltern folgen später. Sie gewähren den unerfahrenen Fliegern einen Vorsprung. Ihren Weg finden die nur wenige Monate alten Vögel aber im Schlaf. Sie haben die Landkarte sozusagen ins Nest gelegt bekommen.