Stattdessen geht es derzeit dort sehr idyllisch zu: Einige Radtouristen am Oder-Neiße-Radweg, auf der polnischen Seite ebenso ein Angler wie gegenüber in Aurith. "Ich würde es gut finden, wenn hier regelmäßig eine Fähre übersetzt. Wir Angler könnten ausweichen. Eine Fähre würde hier sicherlich den Tourismus beleben", erklärt Jörn Pfeil aus Wiesenau. Mit zwei Ruten versucht er gerade sein Glück.
Bald könnte auf die einsamen Angler mehr Abwechslung zukommen. Schließlich vergehen durchaus mal Stunden, bevor sie ein Boot erblicken. Nachdem der Brieskower Amtsausschuss im April noch einstimmig die Unterzeichnung des Zuwendungsvertrages zwischen dem Land Brandenburg und dem Amt Brieskow-Finkenheerd über "Die Fährverbindung Aurith-Urad als Meilenstein für die Tourismusentwicklung in der deutsch-polnischen Grenzregion" und auch die unterschriftsreife Partnerschaftsvereinbarung zwischen der polnischen Gemeinde Cybinka und dem Amt Brieskow-Finkenheerd abgelehnt hatte, hat dieses Projekt in den vergangenen Wochen Fahrt aufgenommen.
Laut dem amtierenden Amtsdirektor Dirk Wesuls werden in dieser Woche letzte Unterlagen bei der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) eingereicht. Die ILB hatte ursprünglich dafür im Februar einen Zuwendungsvertrag über 427 779,79 Euro dem Amt zur Unterzeichnung übergeben. Das waren in etwa 85 Prozent der Gesamtkosten. Die restlichen 15 Prozent hätten das federführende Amt Brieskow-Finkenheerd und die polnische Partnergemeinde Cybinka aufbringen müssen. Dieses EU-Fährprojekt beinhaltete in Aurith den Bau einer Fähranlegestelle und eine Fähre und in Polen einen Aussichtsturm.

Gegenwind aus Vogelsang

Der neue Zuwendungsvertrag soll am 10. September dem Amtsausschuss vorgelegt werden. Details will Wesuls zu den Einzelheiten nicht nennen, da in einer gemeinsamen Beratung am 12. August mit der polnischen Seite Stillschweigen bis zur Unterzeichnung vereinbart wurde. Bei dieser Beratung nahmen kommunale Vertreter beider Seiten teil. Sie war laut Wesuls vom gemeinsamen Willen geprägt, das Projekt doch noch zum Erfolg zu führen..
Schließlich gibt es einige Unwägbarkeiten. Schließlich könne die Amtsverwaltung in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Schlaubemündung-Odertal (FSO) das alles nur vorbereiten, die Entscheidung fällt schließlich der Amtsausschuss. Zum Zeitpunkt der Abstimmung im April waren einige Amtsausschussmitglieder recht neu in ihrer Funktion und hatten sich daher nicht eingehend damit befasst. Das sei auch mit dem FSO nachgeholt worden.
Vor sieben Jahren hatte die Gemeinde Ziltendorf dieses Vorhaben aus Kostengründen an die Amtsverwaltung abgegeben und damit die anderen vier Amtsgemeinden ins Boot geholt. Dafür im Gespräch ist auch der Landkreis Oder-Spree. Aber mit einem einstimmigen Votum ist am 10. September nicht zu rechnen. So kommt Gegenwind aus Vogelsang. Dessen Bürgermeister Nils-Hagen Giesa: "Die Fähre ist für mich touristischer Luxus." So sei das Kosten-Nutzen-Verhältnis nicht überzeugend, auch die hiesigen Gewerbetreibenden hätten nicht viel davon. "Natürlich trinken und essen die Leute dann auf polnischer Seite." In der Machbarkeitsstudie wurde ein sieben Meter langes und 2,5 Meter breites Bugklappenboot empfohlen, auf dem acht Fahrräder passen.