Philipp Humbsch strahlt. Der Grund seiner Freude hat drei Buchstaben: AED. Die stehen für automatisierter externer Defibrillator. Und genau so einen hält er am Freitag in seinen Händen. „Das Krankenhaus Eisenhüttenstadt hat uns einen Übungsdefibrillator gesponsert“, erzählt der 26-Jährige, der in diesem Jahr vom Deutschen Hochschulverband bereits als „Student des Jahres“ ausgezeichnet wurde. Denn der Medizinstudent ist Gründer des Vereins Pépinière, über den das Projekt „Jeder kann ein Held sein“ läuft. Er und seine Mitstreiter bieten seit 2016 kostenlose Erste-Hilfe-Kurse für Schüler an. Und sie starten bereits im Grundschulalter mit der Helden-Ausbildung.
„Wir haben landesweit schon 3300 Schüler erreicht. Allein in Eisenhüttenstadt waren wir bereits in drei Grundschulen, in der Gesamtschule und bald sind wir auch im Gymnasium“, sagt Humbsch. Bei den Übungseinheiten bringen sie bereits Erstklässlern bei, wie diese einen Notruf auf dem Smartphone absetzen, wie die stabile Seitenlage geht und was man zu tun hat, wenn das Herz nicht mehr schlägt oder die Atmung ausgesetzt hat. „Ich habe mir das schon einmal angeschaut. Und es ist wirklich toll, was die da machen“, zeigt sich Beate Obstei begeistert. Die Abteilungsleiterin Finanzen im Krankenhaus hat letztlich auch das Geld für den Übungsdefibrillator und 3000 Einweghandschuhe locker gemacht, die Philipp Humbsch und sein Mitstreiter Tobias Drechsel am Freitag überreicht bekommen. Gut 1100 Euro hat das Krankenhaus somit in die kleinen Helden von morgen gesteckt.
„Das Geld hätten auch andere Krankenhäuser“, ist sich Dr. med. Dirk Hinz, der Ärztliche Direktor, sicher. Er sieht es als gut angelegtes Geld. Denn mit dem Übungs-Defibrillator können Kinder lernen, wie ein echter Defibrillator, wie er beispielsweise in Einkaufszentren hängt, im Notfall funktioniert. Brandenburg sei das Land, das noch immer eine der höchsten Sterblichkeitsraten bei Kreislauf- und Herzerkrankungen aufweise, sagt er. Das liege auch daran, dass viel zu wenige Menschen Erste Hilfe leisten, bis der Rettungssanitäter eintrifft. „Dabei würde damit die Chance des Patienten oft steigen.“ Ohne Hilfe verstreicht wertvolle Zeit.
Mit Blick auf Philipp Humbsch sagt Hinz: „Dass sich junge Leute wie er ehrenamtlich engagieren, das ist extrem lobenswert.“ Und er nickt, als der Medizinstudent erklärt, dass es oftmals die Kinder sind, die nach einer Übungseinheit mit den Heldenmachern auch bei den Eltern Erste Hilfe in Erinnerung rufen. „Sie beschäftigen sich damit, da wird eine Lernspirale in Gang gesetzt.“ Der erste AED, über den der Verein nun verfügt, wird im Juni im Eisenhüttenstädter Gymnasium zum Einsatz kommen. „Und wenn eine andere Schule Interesse daran hat, dass wir kommen, dann einfach melden“, sagt Humbsch.
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