Zwei Feuerwehrleute mit Atemschutzmasken rennen zu der Person, die neben dem Kesselwagen regungslos auf dem Boden liegt. "Hallo? Alles gut?" ruft einer der Männer und immer wieder ist das Atemgeräusch durch die Masken zu hören. Der Körper wird sofort auf eine Trage gelegt und aus der Gefahrenzone weggebracht, denn aus dem Waggon auf den Schienen tropft eine ätzende, leicht entflammbare Flüssigkeit. Und es qualmt bereits verdächtig.
"Hast Du noch eine Nebelbombe?", ruft ein Mann von der Seite? "Ja, da drüben!" lautet die Antwort. Die Feuerwehrmänner und Rettungskräfte befinden sich nämlich inmitten einer Großübung der Brand- und Katastrophenschutzkräfte des Landkreises Oder-Spree. Der Verletzte ist lediglich eine Puppe, was da aus dem Wagen tropft, harmloses Wasser. Dennoch soll der Rettungseinsatz so perfekt wie möglich ablaufen. Hinter einem Absperrband wird alles genau analysiert und geplant, und zwar möglichst schnell. Das gilt auch für das Szenario ein paar Meter weiter, wo mehrere Schüler des Albert-Schweitzer-Gymnasiums Verletzte in einem verunglückten Zugwaggon mimen. Und damit alles möglichst echt aussieht, wurden sie zuvor kräftig geschminkt. Für einige der Jugendlichen geht die Übungsreise bis in die Notaufnahme des Krankenhauses.
Der Bereich neben dem Eisenhüttenstädter Bahnhof ist am Sonnabendvormittag großräumig abgesperrt. Die Polizei sichert die Straßen, lässt niemanden durch. Hier und da versuchen Schaulustige, Blicke auf das Geschehen zu erhaschen. Ganz nah dran sind unter anderem ein paar Führungskräfte der Feuerwehr und der Bundespolizei sowie Verwaltungsmitarbeiter aus Oder-Spree und Celle.
Die Brand- und Katastrophenschutzkräfte aus Ostbrandenburg sowie die Kreisfeuerwehrbereitschaft aus Niedersachsen pflegen seit 25 Jahren eine Partnerschaft. "Wir feiern sozusagen Silberhochzeit", sagt Michael Buhrke, Dezernent für Finanzen, Ordnung und Innenverwaltung in Oder-Spree. Zu dieser Partnerschaft gehöre alle zwei Jahre auch eine Großübung. "So können sie auch mal das Zusammenspiel mit fremden Kräften und an für sie zum Teil unbekannten Orten üben", betont Birgit Arendt, Leiterin der Bürgerinformations- und Medienarbeit im Katastrophenschutz des Kreises Oder-Spree, der diesmal verantwortlich für die Organisation der Übung war und auch die Kosten übernimmt. Wie aufwendig eine solche Aktion ist, zeigt der Fakt, dass dafür beispielsweise Deutschlands einziger Leckagewagen von der Deutschen Bahn organisiert wurde.
Insgesamt 330 Feuerwehrleute aus Fürstenwalde, Grünheide, Eisenhüttenstadt, Brieskow-Finkenheerd, Neuzelle und Celle sowie Rettungskräfte vom Technischen Hilfswerk, vom Deutschen Roten Kreuz und von den Johannitern sind an diesem Tag im Einsatz - und zwar nicht nur am Bahnhof. Am 47 Meter hohen Getreidespeicher wird unter anderem eine Höhenrettung trainiert und in einem Waldstück abseits der B 112 gilt es, einen fiktiven Brand zu löschen.
"Nachdem es anfänglich etwas chaotisch zuging, wurden die Übungen zeitnah und effektiv abgearbeitet", resümiert Kreisbrandmeister Klaus-Peter Schulz. Größere Kritik habe er auf den ersten Blick nicht, aber es werde ja auch noch alles ausgewertet.
Nach den schweißtreibenden Einsätzen bleibt den Teilnehmern, die in der Inselhalle und in der Landesfeuerwehrschule in Eisenhüttenstadt übernachtet haben, dann noch ausgiebig Zeit für das ein oder andere Gespräch bei der Silberhochzeit.
Bergen einer verletzten Person: Während es aus dem Ausbildungskesselwagen qualmte, mussten zwei Feuerwehrleute eine Puppe, die neben den Schienen lag, in Sicherheit bringen. Erst danach kümmerten sich Kollegen um den leckgeschlagenen Waggon. Der Bahnverkehr lief indes auf benachbarten Schienen weiterFotos (2): MOZ/Gerrit Freitag
Extra geschminkt: Schüler aus dem Albert-Schweitzer-Gymnasium mimten Verletzte in einem Personenzug.
Wasser marsch! Nahe der B 112 hieß das Szenario für Hilke Wichmann und Torsten Baltzer Waldbrand. Foto: MOZ/Janet Neiser
Großübung von Brand- und Katastrophenschutzkräften des Landkreises in Eisenhüttenstadt