Die beiden Situationen im vergangenen Jahr waren ganz ähnlich: Jeweils bemerkte ein Mitglied der Woltersdorfer Solidargemeinschaft zum Schutz vor Kriminalität (SSK) auf einem Streifengang verdächtige Gestalten. Die Polizei wurde benachrichtigt, und es stellte sich heraus, dass es sich tatsächlich um Einbrecher handelte. "Die Täter wurden festgenommen", erzählt der SSK-Vorsitzende Siegfried Diez.
Es lohnt sich also, dass die SSK regelmäßig Mitglieder auf Streife schickt. Bei der Festveranstaltung im Kulturhaus Alte Schule zum 20-jährigen Bestehen wurde noch ein anderer Aspekt deutlich, warum es dringend nötig war, den heute 22 Mitglieder zählenden Verein zu gründen. "Mögliche Täter fühlten sich beobachtet und viele mieden fortan Woltersdorf", sagte Gründungsmitglied Gernot Wittling. In seinem Vortrag rief er vor etwa 50 Besuchern nochmals die Zeit nach der Wende ins Gedächtnis. "Was damals über uns herein brach, mussten wir erst einmal begreifen. So viel Kriminalität waren wir nicht gewohnt", sagte der Geschäftsführer des THW-Bereichs Frankfurt (Oder), der zugleich für die SPD in der Kommunalpolitik aktiv ist. Brandenburg habe damals bei der Kriminalitätsquote an der Spitze aller deutschen Flächenländer gestanden, und der Berliner Randbereich sei davon besonders betroffen gewesen.
"Es war zum Teil eine regelrechte Heimsuchung", beschrieb Wittling die damalige Situation. Die Polizei sei damals gerade massiv umstrukturiert worden und habe die Probleme nicht in den Griff bekommen. "Sie hatte zu wenige Fahrzeuge, und es gab andauernd Schwierigkeiten mit Funklöchern." Die Bürger hätten sich allein gelassen gefühlt. Allein in Woltersdorf habe es im Jahr 1993 217 Wohnungseinbrüche gegeben. "In der Zeit zwischen November 1993 und Ende Januar 1994 waren es ungefähr 100." Zum Vergleich: 2013 gab es in Woltersdorf 24 Einbrüche. Wer die Tätergruppen waren, weiß man nicht so genau. Die Nähe zu zwei Asylbewerberheimen im benachbarten Hessenwinkel und in Diedersdorf spielte nach Darstellung von Wittling eine Rolle, möglicherweise verlagerten auch kriminelle Banden aus Berlin ihr Betätigungsfeld an den Berliner Rand.
"Im ersten Jahr unseres Bestehens wurde die Kriminalität in Woltersdorf um 80 Prozent zurück gedrängt", hob Wittling hervor. Dabei habe geholfen, dass seitdem Hausbesitzer auch das Grundstück ihrer Nachbarn verstärkt in den Blick genommen haben. Wobei Wittling nicht vergaß hinzuzufügen, dass es einen Verdrängungseffekt gegeben habe. In Schöneiche sei die Zahl der Einbrüche sprunghaft gestiegen. Was zur Folge hatte, dass 1995 dort ein ähnlicher Verein gegründet wurde. Von Bürgerwehren, die am liebsten selbst Jagd auf Verbrecher machen würden, grenzt man sich in Woltersdorf deutlich ab. Vielmehr ist man stolz darauf, dass 1997 eine Vereinbarung über die Zusammenarbeit mit der Polizei in Erkner getroffen worden ist.
Der Leiter der Polizeiinspektion Oder-Spree/Frankfurt, Jürgen Huber, erinnerte daran, dass es zu Beginn auch kritische Stimmen gegeben habe. Aber mittlerweile seien die Aktivitäten der SSK anerkannt. Woltersdorfs Bürgermeister von den Grünen, Rainer Vogel, räumte ein, dass er bezüglich solcher Bürgerinitiativen zunächst skeptisch gewesen sei. "Doch nachdem ich Ihre Arbeit kennen gelernt habe, bin ich froh, dass es Sie gibt", fügte er hinzu. Auch Minister Jörg Vogelsänger lobte während der Veranstaltung die Initiatoren. "Sie sorgen dafür, dass andere Menschen in Woltersdorf ein Stück sicherer leben können", sagte er.