Gudrun Lübeck sieht etwas missbilligend auf einen ihrer Patenbäume. "Er hat kahle Äste", stellt die Naturschutzbeauftragte von Schöneiche fest. Dabei habe sie ihren beiden Gehölzen die gleiche Pflege zukommen lassen. Mit ihren Gießkannen läuft Gudrun Lübeck regelmäßig zu den Blumen-Eschen vor ihrem Haus in der Akazienstraße. Die 60-Jährige ist eine Baumpatin. Wobei sie es mit ihren Pfleglingen nicht ganz einfach hat. "Es ist ein Experiment", sagt sie. Die Gehölze standen zuvor an der Brücke in der Goethestraße, mussten aber weichen, als diese erneuert wurde. Damals habe es die formelle Baumpatenschaft in Schöneiche noch gar nicht gegeben, sagt Gudrun Lübeck.
2013 wurde sie von der Fraktion Neues Forum/Freiwillige Feuerwehr/Grüne angeregt und von den Gemeindevertretern beschlossen. Demnach kann jeder eine Patenschaft für Jungbäume bis zu zehn Jahren formlos bei der Verwaltung beantragen. Der Pate verpflichtet sich damit, das Gehölz während der Trockenperiode zu wässern - wobei 20 Liter morgens oder abends in die Gießmulde zu geben sind. Zudem soll diese von Müll frei gehalten, die Verwaltung über Schädlingsbefall informiert werden. Die Paten sollen auf der Internetseite der Gemeinde veröffentlicht werden, falls sie dies möchten und zudem eine Urkunde als Würdigung erhalten. Die Kosten für die Pflanze trägt die Gemeinde.
Das Geld kommt aus den Ausgleichszahlungen für Baumfällungen auf Privatgrundstücken, für die keine Ersatzpflanzungen realisiert werden konnten, sagt Bürgermeister Heinrich Jüttner."Das Interesse an einer Patenschaft für Jungbäume ist allerdings (sehr) gering", teilt der Bürgermeister auf Nachfrage mit. Seit 2013 habe es nur zehn Anfragen gegeben, wonach sieben Bäume gepflanzt wurden. Im Herbst sollen aber weitere Pflanzungen folgen - in der Dorfstraße und in der Rahnsdorfer Straße.
Zu den aktivsten Paten zählt Jüttner das Naturschutzaktiv. Es pflegt Sträucher und Bäume zum Beispiel im Kleinen Spreewaldpark. Im Juni übernahm das Aktiv die Patenschaft für eine Hainbuche im Goethepark. Sie wurde zu Ehren des langjährigen Vorsitzenden, Wolfgang Cajar, der seinen 80. Geburtstag feierte, gesetzt. Gudrun Lübeck konnte Anwohner des Parks dazu gewinnen, den Baum zu gießen. "Ich habe Wurfsendungen in die Briefkästen gelegt und ein Treffen vereinbart", sagt sie. Rund zehn Anwohner kamen und trugen sich in eine Gießliste ein.
"Wir brauchen aber noch Paten ohne Ende", betont Gudrun Lübeck. Da beim Bau von Ein- und Zweifamilienhäusern viele Bäume fallen würden, für die, weil sie nicht unter Schutz stehen, rechtlich keine Ersatzpflanzungen geleistet werden müssen, würden es sonst immer weniger Gehölze im Ort.
Erste Zielgruppe für neue Patenschaften sind die Abgeordneten. "Es wird jetzt eine Initiative vom Naturschutzaktiv geben, bei der wir sie ansprechen wollen", kündigt Gudrun Lübeck an. Schließlich hätten sie die Möglichkeit der Patenschaft ja auch beschlossen. Speziell bei Lückenbepflanzungen sei die Gemeinde auf Paten angewiesen. "Für die Verwaltung würde sich der Aufwand sonst nicht lohnen." Die Naturschutzbeauftragte rät, den Bäumen im Frühjahr einmal 80 bis 100 Liter Wasser zu geben, damit es auch bis zu den Wurzeln vordringe. Auch an heißen Sommertagen rät sie zu 50 bis 80 Litern je Baum.
Aufgrund der Hitze ist die Verwaltung derzeit auch bemüht, bis zu zehn Jahre alte Straßenbäume noch zu wässern, sagt Jüttner. 80 bis 100 Liter erhalten sie pro Woche. Er ruft wegen der Trockenheit jeden Anwohner auf, zum Paten zu werden und sich um die Bäume vor seinen Garten zu kümmern. Ein vertrockneter Jungbaum erhole sich nicht wieder. Rund 15 000 Straßenbäume gibt es in der Gemeinde - für etwa 12 000 trage sie die Verantwortung.