Woltersdorf. Er hat eine Behinderung und eine schwierige Kindheit hinter sich – und hat es trotzdem geschafft: Seit Januar ist der 32-jährige Pierre Panthen Beikoch in der Woltersdorfer Schleusenwirtschaft. Intensive Betreuung hat das ermöglicht.
Am Donnerstag steht er nicht Gemüse schnippelnd in der Küche. Pierre Panthen sitzt mit gebrochenem Arm auf der Terrasse der Schleusenwirtschaft. „Ein Kind ist mir vor mein Fahrrad gelaufen.“ Wegen des komplizierten Bruchs muss er mehrere Wochen pausieren.
So kompliziert wie der Bruch erscheint auch Panthens Lebensweg: Geboren in Berlin-Mitte, wurde er als Grundschüler vom DDR-Jugendamt wegen Vernachlässigung ins Krankenhaus eingewiesen. „Meine Eltern hatten mit sich zu tun“, sagt der 32-Jährige. Nach vielen Jahren auf einer Förderschule in der Märkischen Schweiz wohnte er im Heim, danach in einer Einrichtung für betreutes Wohnen in Rüdersdorf, „die mich auf das Leben vorbereiten sollte“. 2005 zog er in seine eigene Wohnung und schloss ein Jahr später die neunte Klasse der Volkshochschule Märkisch-Oderland ab.
Nach dem „Idiotentest“, wie er es nennt, beim Jobcenter wusste er: Eine Leserechtschreibschwäche und ein rechtes Auge fast ohne Sehkraft standen seinem Wunschberuf Kellner im Weg. Also fing er eine Ausbildung als Beikoch in Neuenhagen an, die mehr einem Praktikum glich. „Mir gefiel es nicht, und ich hatte eine unglückliche Beziehung“, sagt Panthen. Er brach Job und Beziehung ab. Nach einem weiteren erfolglosen Versuch meldete er sich arbeitslos. Auch zwei Gruppenmaßnahmen der Arbeitsagentur brachten ihn nicht weiter. „Wieder war ich ohne Arbeit und schaffte die Ausbildung zum Beikoch nicht.“
Erst als die Rehaberatung der Arbeitsagentur Strausberg die Gemeinnützige Gesellschaft für regionale Sozialentwicklung (GGS) ins Boot holte, war für den jungen Mann Land in Sicht. Gemeinsam mit Bildungsbegleiterin Kornelia Bresemann wurde ein Arbeitgeber auf dem ersten Arbeitsmarkt gesucht. Bis dahin unternahm Panthen seine Arbeitsversuche im „geschützten Raum“ des Integrationsträgers IB (Internationaler Bund).
Schließlich erklärte sich Martin Müller, der Chef der Schleusenwirtschaft, bereit, den jungen Mann auszubilden. „Das war anfangs nicht leicht“, erinnert sich der Beikoch. Unregelmäßige Arbeitszeiten, das Einstellen auf Kundschaft und verschiedene Kollegen, der Arbeitsweg aus Rüdersdorf – alles Dinge, die die Bildungsbegleiterin mit ihm erlernen, üben musste. „Immer wieder fanden regelmäßige Gespräche zwischen dem Arbeitgeber und der Arbeitsagentur statt“, erklärt Bresemann. Dazu unterrichtete ein spezieller Stützlehrer der GGS den jungen Mann vor Prüfungen.
Mit heilem Arm ist der Beikoch – jetzt „Fachpraktiker Küche“ – ab 12 Uhr der Gehilfe für die Köche. Zweimal die Woche fährt er zur Berufsschule, dreimal zur Schleusenwirtschaft, „Ich putze Gemüse, schäle Kartoffeln oder paniere Schnitzel“, sagt Panthen. Geschirr abwaschen oder Eis verkaufen gehört ebenso zu seinen Aufgaben.
Im Januar übernahm ihn Martin Müller. „Pierre ist ein verlässlicher und williger Mitarbeiter“, sagt der Chef. Klar sei es viel Aufwand bis zum Arbeitsvertrag gewesen. Und ohne die finanzielle Unterstützung der Arbeitsagentur wäre es auch schwierig geworden. Aber so ist Pierre Panthen in Lohn und Brot.
Berufsfeuerwehrmann oder Katastrophenschützer beim Technischen Hilfswerk (THW) – „das sind meine Traumberufe“, sagt Panthen. Schon jetzt engagiert er sich in der Abteilung „Bergung 2 – Hochwasser“ des THW in Berlin-Neukölln. Wenn sein Arm verheilt ist, wird er aber erst wieder Gemüse putzen.