Auf dem Fußboden des Gastraums schimmern noch immer Pfützen aus Brandbeschleuniger. Franziska Gehring schlurft vorsichtig durch die schmierige Flüssigkeit. "Ich wollte noch schnell meine Blumen in Sicherheit bringen", sagt die 34-Jährige, die seit mehreren Jahren als Bedienung in der Gaststätte "Gosener Berge" arbeitet. Es riecht streng nach einem Gemisch aus verkohlten Materialien, Diesel und Benzin. Im Flur liegt eine dicke Rußschicht. Auf den Tellerstapeln in der Küche ebenfalls. Im Lager sind Kassenrollen und Tabletts in einer schwarzen Masse zu erkennen. Dort war vor einer Woche das Feuer ausgebrochen.
Arbeit gäbe es für Franziska Behm also genug. Aber noch darf sie nicht zu Eimer und Lappen greifen. Heute soll ein Gutachter der Versicherung kommen. "Der entscheidet, was zu tun ist", sagt Edmund Heidner, Vorstand der Paasche AG, der das Gebäude im Bergpark Gosen gehört. Vorab hat er seiner Versicherung bereits einen Schaden zwischen 30 000 und 50 000 Euro melden lassen, sagt Heidner. Er geht von Brandstiftung aus. Auch die Polizei ermittelt in diese Richtung, sagt Sprecherin Barbara Cotte-Weiß. Noch liege der Bericht der Kriminaltechniker aber nicht vor.
Diese waren 2014 nicht nur einmal im Bergpark Gosen. Ende August hatte der Pavillon des griechischen Restaurants Athos gebrannt. Es steht keine 30 Meter neben dem Gasthaus "Gosener Berge" und gehört auch der Paasche AG. Auch in diesem Fall ermittelt die Polizei wegen Brandstiftung, sagt Barbara Cotte-Weiß. Aber auch dort liege der Bericht der Brand-Untersuchung noch nicht beim Sachbearbeiter vor.
Über die Brandursachen mögen die Betroffenen nicht öffentlich spekulieren. Fakt ist aber, dass Paasche den Mietvertrag mit dem Pächter der Gaststätte "Gosener Berge" als beendet ansieht. "Mietbeginn war der 1. November 2011. Der Vertrag lief über ein Jahr und konnte nur auf Wunsch des Mieters verlängert werden", sagt Heidner. Dies sei nicht passiert. Daraufhin sei bereits vor Wochen eine Räumungsaufforderung zugestellt worden. Dieser wurde nicht nachgekommen.
Ganz im Gegenteil. Igor Bem, Pächter, Koch und Chef der Gaststätte, hat Pläne. "Ich wollte nächstes Jahr einen Kredit aufnehmen, die Terrasse ausbauen und das Konzept umstellen", sagt er. "Einen Brief mit einer Räumungsaufforderung habe ich auch nicht bekommen", ergänzt der 22-Jährige. Er hofft, dass er in zwei Monaten wieder öffnen kann. Heidner will das nicht. "Ich möchte dort gar keine Gaststätte mehr haben. Ich möchte, dass sich der Grieche positiv entwickelt. Beides ist zu viel", begründet der Paasche-Chef. Zudem spricht er von Mietrückständen und häufigen Schließzeiten der Gaststätte. Jedenfalls habe er Mitte Dezember noch einmal auf die Räumung gedrängt.
In der Nacht zum 30. Dezember loderten dann die Flammen. Das Feuer brach im Lager aus. "Dort ist auch der Gaszähler", sagt Thorsten Pohl, technischer Leiter der Paasche AG. Er wurde gegen 6.30 Uhr über den Brand verständigt. Da hatte die Feuerwehr die Lage schon unter Kontrolle. Pohl fotografierte die Schäden. Auch das Gasrohr, das sich durch die Hitze stark verformte. "Das ist hart gelötet. Gott sei Dank", sagt Pohl. Wäre es zerstört worden, hätte es womöglich eine Explosion gegeben. Die Gasflasche, die Igor Bem dort aufbewahrte, und die großen Mengen Brandbeschleuniger hätten ihr Übriges getan - und das 25 Meter neben einem Wohnblock.
Zu den offenen Fragen, die die Polizei nun klären muss, gehört auch die, warum es an der Gaststätte keine Einbruchspuren gibt. Laut Igor Bem haben nur er selbst, seine Mitarbeiterin und sein Vater einen Schlüssel. "Ich wollte in der Nacht sogar hier schlafen", sagt der junge Mann, "um am Morgen die geplante Silvesterfeier vorzubereiten."
Nun betrachtet er mit Franziska Gehring die Schäden. "Ich verstehe nicht, warum die Feuerwehr den Brandbeschleuniger nicht beseitigt hat", sagt seine Mitarbeiterin. "Das ist nicht unsere Aufgabe. Das muss eine Fachfirma machen, denn die Flüssigkeit ist teilweise schon richtig in den Boden eingesickert", sagt Spreenhagens Amtsbrandmeister Klaus Decker. "Es ist Aufgabe des Eigentümers oder des Mieters - je nach Vertrag", ergänzt Kreisbrandmeister Klaus-Peter Schulz. "Wir werden uns auch darum kümmern", sagt Heidner. Er habe nur warten wollen, bis der Gutachter das Haus, in dem sich auch Büros befinden, besichtigt hat.