Mit einer Mischung aus Familiendrama, Seifenoper und Boulevardkomödie meldet sich das „Theater aus Schöneiche“ nach gut einem Jahr zurück. Das Publikum würdigte die Premiere des preisgekrönten Stücks  „Eine Familie“ am Freitagabend mit minutenlangem Applaus.
Nur noch wenige Minuten sind es bis zum Veranstaltungsbeginn. Die Kulturgießerei ist mit rund 120 Besuchern ausverkauft. Die Stühle wenige Zentimeter vor der großen, rot-schwarzen Bühne sind komplett besetzt. Regisseur Jens Finke lächelt in den Zuschauerraum. Er ist angespannt: „Ich weiß nicht, wie das Publikum reagiert.“ Es ist die vierte des freiberuflichen Dozenten und Regisseurs. Und dieses Stück ist grundlegend anders als die zuvor gespielten Komödien.
Den unter anderem mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Broadway-Hit „Eine Familie“ des Dramatikers Tracy Letts hat Jens Finke ausgewählt. Um Drogen, Lügen, gar Inzest geht es da – garniert mit tiefschwarzem Humor und bitterem Witz. „In den ersten Jahren hätte ich mich noch nicht getraut, hier so ein Stück zu inszenieren“, sagt der Regisseur. Jetzt aber sei die Zeit reif.
Auf der Bühne wird diesmal gesoffen, gekifft und geflucht. Die Handlung erzählt die Geschichte der Familie Weston. Von der hat Familienoberhaupt Beverley Weston (Hendrik Zühlke) genug. Er verschwindet, später wird seine Leiche im Wasser gefunden. Es handelt sich offenbar um Selbstmord. Die drei Töchter Barbara (Evelyn Erler), Ivy (Claudia Päch) und Karen (Christine Weser) reisen an. Es geht darum, die tablettensüchtige Mutter Violet zu stützen. Auch deren Schwester Mattie Fae (Annette Metzner) nimmt bei der Trauerfeier am langen Bühnentisch Platz. Dort brechen schwelende Konflikte auf. Im weiteren Verlauf des Stücks kommt es zu einer Schlammschlacht. Die Sprache ist grob, die Situationen skurril: „Du bist so sexy wie eine feuchte Pappschachtel“, schreit etwa Violet ihrer alternden Schwester Mattie Fae entgegen.
Auch ihre Töchter können sich grandios in Szene setzen. So punktet Evelyn Erler als Barbara mit komödiantischem Talent noch in bitteren Momenten – etwa, wenn es um die Trennung von ihrem jüngeren Ehemann geht. Zu ihrer Tochter Jean sagt sie angesichts des eigenen toten Vaters: „Wie Du Dein Leben verpfuschst, ist mir egal. Hauptsache, du stirbst nach mir.“
Vom Bühnenbild über Programmheft und das mit Wohnzimmeratmosphäre  eingerichtete  Foyer bis zu den vielen verschiedenen Kostümen – die neue Inszenierung ist wieder geradezu professionell aufgezogen. Mehr als 30 Ehrenamtliche engagieren sich für das Projekt.
Auch deshalb ist es das erwartete Spektakel mit schon fast gewohnt guten Darstellern. Aber diesmal brauen sich eben auch dunkle Wolken zusammen. Es dauert, bis das leichte Lacher gewöhnte Publikum auch die gespielte Verzweiflung der Akteure realisiert. Und so warten die Zuschauer nach zweieinhalb Stunden auch vergebens auf ein Happyend. Es ist ein ungewohntes Stück für die Amateurtheater-Crew. Aber sie ist augenscheinlich bereit dafür. Der Premieren-Beifall ist am Ende enorm, die Stimmung beim anschließenden Empfang ausgelassen. In diesem Jahr läuft das Stück noch sechs Mal. Voraussichtlich folgen 2019 weitere Vorstellungen.
Nächste Termine: am 16.11. und 17.11. um 20 Uhr; am 18.11. um 16 Uhr; am 7.12. und 8.12. um 20 Uhr, am 9.12. um 16 Uhr, Kartenpreis: 8 Euro.