Am Tadeplatz, am Ende der Strandpromenade, ist es noch nicht lange her: Zwei Linden sind dort heftig gestutzt worden. "Hier kann ich das morsche Holz mit dem Schlüssel rauspicken", sagt Yves Krüger und puhlt mit seinem Autoschlüssel in der Mitte des abgeschnittenen Stamms herum. Dort stirbt das Holz ab. Die Seitentriebe dagegen sprießen und wachsen kräftig in die Höhe.
Damit wird eine fatale Dynamik in Gang gesetzt. Die neuen Triebe gewinnen Gewicht und sind vital, das alte Zentrum des Baums dagegen verrottet. Ab einer gewissen Höhe und einem gewissen Gewicht ist vorprogrammiert, was zum Beispiel bei einem heftigen Sturm droht. Die neuen Äste können den Baum regelrecht auseinander brechen lassen. Spätestens dann geht es um Verkehrssicherheit, um mögliche Sach- oder gar Personenschäden.
Ein ziemlich krasses Beispiel dafür findet sich auf dem Gelände der Feuerwehr, unweit des VdN-Denkmals. Dort steht eine Pyramidenpappel, deren Stamm völlig verfault ist. Von unten ist das für den Laien nur bedingt, beim Blick von oben von einer Hebebühne aber leicht zu erkennen. Eine ganze Reihe solcher Bäume, deren Überleben Krüger für stark gefährdet hält, steht auch an der Kalkseestraße.
Der Fehler ist immer der gleiche, sagen die Experten. Die Bürger schneiden die Äste unkontrolliert bis auf die Stümpfe oder zu schwache Zugäste ab. Diese unsachgemäßen Kappungsschnitte, sagen Jahn und Krüger, gehen oft auf den Wunsch zurück, die Größe des Baums zu reduzieren. Jahn spricht auch offen von egoistischen Motiven - die Bäume halten die Sonne ab, die so mancher auf dem Grundstück genießen will. Es gibt deswegen auch Strafanzeigen, aber es ist schwer, etwas zu beweisen. Am Wiesenring gibt es zwei Linden auf dem Gehweg, die voriges Jahr rüde und rücksichtslos gekappt wurden, kurz nachdem der Bauhof sie beschnitten hatte. "Ein Baum ist auch ein Gestaltungselement und ein Sauerstoff-Lieferant", verdeutlicht Jahn den Wert für die Allgemeinheit.
Im Fall vom Wiesenring gibt es nach seinen Angaben sogar ein Foto von einem Mann, der auf einer Leiter steht und sägt - nur habe den niemand erkannt. Dort sind die Bäume so alt wie der Straßenausbau dort, etwa 15 Jahre. Es werde wohl nichts anderes übrig bleiben, als sie durch neue zu ersetzen, wobei das auch eine Frage des Geldes ist. Jahn wünscht sich ein Bewusstsein dafür, dass die Bäume zu dem gehören, "was wir unseren Kindern und Enkeln vererben".