Mit der Suche nach dem Täter beziehungsweise den Tätern ist der Staatsschutz in Frankfurt (Oder) befasst. Die Beamten gehen der Frage nach, ob es sich - wie zu vermuten ist - um einen Akt von politischem Vandalismus mit antisemitischer Ausrichtung handelt. Oder ob, was theoretisch ebenfalls möglich wäre, das Denkmal aus reiner Zerstörungswut beschädigt wurde.
Noch Tage nach der Tat, die am vergangenen Montag entdeckt wurde, sind viele in Schöneiche entsetzt und ratlos. "Dass so etwas bei uns passieren muss", sagt Irene Dehmel und schüttelt den Kopf. "Dabei herrscht doch gerade bei uns in Schöneiche so ein gutes Verhältnis zwischen den verschiedenen Kulturen." Irene Dehmel gehört seit elf Jahren - seit seiner Gründung - dem Verein Schtetl an. Er kümmert sich um die Integration vor allem von Menschen, die aus Osteuropa nach Schöneiche gekommen sind. Ihm gehört ein Großteil der rund 100 Schöneicher mit jüdischem Glauben an.
Irene Dehmel war auch dabei, als vor einer Woche Blumen am Denkmal für die vertriebenen und ermordeten Schöneicher Juden niedergelegt worden. "Dass die Tat kurz nach dem Gedenktag geschah, lässt darauf schließen, dass es Neonazis waren", sagt die Schöneicherin, die früher an der Berliner Humboldt-Universität Russisch-Lehrer ausgebildet hat.
Schöneiches Bürgermeister Heinrich Jüttner hält es ebenfalls für wahrscheinlich, dass Rechtsextremisten am Werk waren. "Das, was passiert ist, finde ich ganz furchtbar", sagt er. Möglicherweise kämen die Täter sogar aus der eigenen Gemeinde. "Schöneiche ist in dieser Hinsicht keine Insel der Glückseligkeit." Besser schützen lasse sich das Denkmal nicht. Es liegt etwas versteckt im Schlosspark hinter dem Heimathaus am Priesterpfuhl, wo es im Januar 2005 mit Spendengeldern und einem Zuschuss der Gemeinde errichtet wurde.
Wann die Tat geschah, lässt sich nicht genau sagen. Bei der Gedenkveranstaltung am vergangenen Freitag war noch alles in Ordnung. Am Montag entdeckten Mitarbeiter des kommunalen Bauhofs dann den Schaden und teilten es am Dienstag dem Bürgermeister mit. Es wurde Anzeige erstattet.
Das Denkmal mit seinem Sockel und den beiden Betonstelen soll nach den Worten des Bürgermeisters auf jeden Fall wieder hergerichtet werden. "Wir werden mit der Künstlerin Eva Baumgart, die das Denkmal gemeinsam mit ihrem Mann gestaltet hat, Kontakt aufnehmen und gemeinsam überlegen, wie der Schaden beseitigt werden kann", versichert Jüttner.
Die Idee zu dem Denkmal entstand, nachdem es im Rathaus eine Ausstellung zum jüdischen Leben in Schöneiche gegeben hatte. Später entstand daraus ein Buch (Jani Pietsch: "Ich besaß einen Garten in Schöneiche bei Berlin").
Vor vier Jahren war das Mahnmal schon einmal Opfer einer zerstörerischen Attacke geworden. Damals brachen die Täter sämtliche vergoldeten Buchstaben heraus. Sie wurden ersetzt. Allerdings nicht in Gold - was Irene Dehmel sehr schade findet.