Herr Erler, der alte Mann in Ihrem Film weigert sich auszuziehen, um Platz für eine Sanierung zu machen. Kennen Sie Leute wie ihn?
Ja, durchaus. Zum Beispiel eine alleinerziehende Mutter aus dem Prenzlauer Berg, eine starke Persönlichkeit. Ihr wurde aus ähnlichen Gründen gekündigt. Sie war bereit umzuziehen, hat aber keine Wohnung mehr im selben Bezirk bekommen. Es war hart, denn ihre Kinder gingen dort zur Schule und in die Kita.
Worauf stützte sich Ihre Recherche für Film noch?
Wir haben Zeitungsberichte gesammelt über Leute, die von Räumung betroffen waren. Tatsächlich gab es einen Fall, bei dem sich ein Mieter in seiner Wohnung verschanzte und Geiseln nahm. Ein anderer Betroffener hatte eine Gasleitung  manipuliert. Wir haben uns auch mit  Vertretern von einem Mieterschutzverein unterhalten. Aber auch mit Hauseigentümern und Maklern.
Warum interessierte sie das Sujet?
Das Thema Sanierung und Verdrängung ist ein starker, bewegender Stoff. Es ist wirklich erstaunlich, was alles möglich ist, um jemanden legal aus der Wohnung zu ekeln. Aber um das klarzustellen: Ich will Veränderungen nicht verteufeln. Wandel gab es immer. Die Räumungen und die Ungerechtigkeit erzeugen aber auch "Kollateralschäden". Einzelschicksale, die sonst in der Berichterstattung untergehen.
Die Protagonisten ihres Films wehren sich individuell und gewaltsam gegen ihre Situation...
Gewalt lehne ich persönlich natürlich komplett ab. Zusammenhalten, mobilisieren, politisch vorgehen finde ich gut, solche Aktivitäten haben ja in den letzten Jahren glücklicherweise zugenommen.
Am kommenden Wochenende zeigen Sie "Der letzte Mieter" im Kino Movieland in Erkner. Der Mietmarkt ist hier noch vergleichsweise moderat. Passt der Film nach Erkner ?
Die Leute sollen einfach einen spannenden, unterhaltsamen Kinoabend haben und erst auf den zweiten Blick merken, dass der Film ein relevantes Thema behandelt. Abgesehen davon glaube ich, dass das Thema Mietsteigerung und Verdrängung tendenziell auch in Erkner wichtiger werden wird. Ich denke dabei auch an den zukünftigen Tesla-Standort in der Nähe.
Sie wohnten in Schöneiche mit Ihren Eltern im Projekt "Landhof".  Dafür hatten sich Leute zusammengetan, um ökologisch zu bauen.  Eine Möglichkeit für Wohlhabende, sich dem Mietmarkt zu entziehen?
Nicht zwangsläufig. Da haben damals auch Leute mitgemacht, die nicht unbedingt zu den Besserverdienenden zählten. Sie erbrachten unglaublich viel Eigenleistung beim Bau einer ökologischen Alternative mit Lehm, Gründach und Komposttoiletten. Das galt in den 90er-Jahren, als das Projekt startete, noch als recht schrullig. Heute ist das hip und sehr angesagt.
Sie kennen Matthias Zeising, Produzent von und Hauptrolle in "Der letzte Mieter", seit ihrer Schulzeit im Bechstein-Gymnasium Erkner. Wie begann ihre Freundschaft?
Wir waren beide im Kurs Darstellendes Spiel. Matthias war zwei Jahre über mir. Irgendwann habe ich mich getraut, ihn zu fragen, ob er bei meinem Kurzfilm mitspielt. Das ist jetzt über 20 Jahre her. Wir hatten eine gute Schulzeit. Ich glaub, damals waren Jugendliche etwas weniger unter Druck als heute.
Sie verloren sich nie aus den Augen?
Er hat an der Schauspielschule Ernst Busch  studiert, ich an der Filmakademie Baden-Württemberg. In der Studienzeit drehten wir Kurzfilme zusammen. Wir sind immer noch befreundet. Ich bin glücklich, dass wir heute beide von unserem Beruf leben können und jetzt zusammen dieses Projekt gemacht haben.
Der Film spielt fast nur an einem Ort und ist sehr stringent. Waren Sie nicht versucht, noch mehr charmante Randgeschichten oder eine lovestory einzubauen?
Nein. Ich wollte die Geschichte aus der Sicht der Hauptfigur Tobias erzählen. Und: Wir wollten das Thema nicht verraten. Viele suchen sich ein wichtiges gesellschaftliches Thema als Vehikel, um eine andere Geschichte zu erzählen. Das wollten wir nicht. Doch es gibt liebevolle zwischenmenschliche Elemente im Film.

Zur Person:Gregor Erler


Gregor Erler, 1982 in Köpenick geboren, lebte mit seinen Eltern von seinem sechsten Lebensjahr bis zum Erwachsenenalter in Schöneiche. Seinen ersten Kurzfilm drehte er schon während der Schulzeit  am Carl-Bechstein-Gymnasium Erkner. Er studierte an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg Regie. Vor seinem Spielfilm-Debüt mit "Der letzte Mieter" hat er vor allem Kurzfilme und Musikvideos gedreht. Für die aktuelle Produktion heimste Erler viel Lob ein. Er wurde mitunter als neuer "Hoffnungsträger" des Kinos bezeichnet. Heute wohnt Gregor Erler in Berlin-Prenzlauer Berg. red