Rückblick: Die Fürstenwalderin Annemarie Schulze musste im August gleich zwei unliebsame Überraschungen hinnehmen. Erst fand sie zwei tote Waschbären in ihrer Mülltonne, dann musste sie 75 Euro für die Abholung durch einen Revierservice bezahlen. Der Erkneraner Jäger Martin Lindner hat die Höhe der Rechnung als unangemessen kritisiert und in einem Leserbrief an die MOZ dafür plädiert, "jedwedem Willkürakt bei der Preisfindung von gesetzlicher Seite einen Riegel vorzuschieben". Zu seinem Bedauern sei der Sachverhalt in einer Landesverordnung über Gebühren für öffentliche Leistungen von 2010 nicht geregelt.
Er selbst, schreibt Lindner, nehme gemäß einer Absprache mit dem Erkneraner Ordnungsamt fünf Euro für jedes getötete und entsorgte Kleintier. "Natürlich entstehen mir Kosten durch Waffeneinsatz, Bergungsmittel, Reinigungsprozesse und Fahrtaufwendungen", so Lindner. Von der Absprache, sagt Ordnungsamtsleiterin Kristina Althaus, wisse sie zwar nichts, es kümmere sie aber auch nicht. Sie halte solche Fälle für eine Privatangelegenheit zwischen Bürger als Auftraggeber und dem Jäger als Auftragnehmer.
Das Innenministerium, in dessen Geschäftsbereich die Verordnung von 2010 liegt, erklärte auf Anfrage, die Kommunen könnten, wenn sie wollten, in ihrer eigenen Zuständigkeit eine Gebührensatzung beschließen. "Eine gesetzliche Lücke auf Landesseite sehe ich hier nicht", so Lothar Wiegand, der stellvertretende Sprecher.
Auch beim Landkreis Oder-Spree wird die Eigenverantwortung der Bürger in den Vordergrund gestellt. "Die Beseitigung eines solchen auf dem eigenen Grundstück verendeten Wildtiers obliegt dem Grundstückseigentümer selbst. Er entscheidet, ob er einen Jäger kontaktiert oder ob er das Tier selbst vergräbt", teilt die Pressestelle mit, macht allerdings zwei Einschränkungen: "Bei einem Verdacht auf Krankheiten sollte das Veterinäramt des Landkreises einbezogen werden. Liegt das Grundstück in einem Wasserschutzgebiet, ist im Einzelfall zu prüfen, ob das Vergraben eines Tierkadavers in der jeweiligen Schutzzone zulässig ist."
Mit Verdachtsfällen auf Krankheiten hat es der Schöneicher Jäger Ekkehard Brühn derzeit zu tun, weil in Schöneiche die Staupe festgestellt worden ist. Kadaver werden daher derzeit über das Ordnungsamt zur Tierkörperbeseitigungsanstalt gebracht. Ansonsten aber, sagt Brühn, erledige er solche Fälle unentgeltlich und vergrabe den Kadaver dann vorschriftsmäßig im Wald - unter 80 Zentimetern Waldboden, "so dass kein Fuchs den Kadaver ausbuddeln kann".
Auch der Spreenhagener Amtsdirektor Joachim Schröder, selbst ebenfalls Jäger, nimmt Kadaver unentgeltlich mit. Er wisse auch von keinem Jäger in seinem Amtsbereich, der dafür Geld nehme. Auch das Einfangen lebender Waschbären übernehmen Brühn und Schröder ohne Gebühren. "Die werden gefangen und ausgesetzt", sagt Schröder. "Ich frage vorher, was damit passieren soll", sagt Brühn. Der Vorsitzende des Jagdverbandes Fürstenwalde, Dirk Meyer aus Neu Zittau, wollte sich auf MOZ-Nachfrage nicht äußern.
Nach Aussage von Schröder machen es sich viele Bürger ganz einfach: "Sie feuern das tote Tier in die Mülltonne und warten, bis sie abgeholt wird."