Der Mittelstandsverein Woltersdorf hatte zu der Veranstaltung eingeladen; der Lohn war ein voll besetzter Saal, in dem die Stühle angesichts des Andrangs kaum ausreichten. Das Publikum hörte beklemmende Schilderungen über das Schicksal der Familie Putziger, aber auch über die Lage in Erkner im Jahr 1938 im Allgemeinen. "37 jüdische Familien gab es damals im Ort", erzählte Miethe. Viele von ihnen wohnten in der Bahnhofsiedlung, so wie auch Fritz Putziger, dessen Haus an der Woltersdorfer Landstraße auf dem letzten Grundstück in Richtung des Nachbarortes stand.
Unter dem Titel "Der Schokoladenjude" hat Miethe über Putziger geschrieben. Detailreich schilderte er auch am Sonnabend, wie dessen Warenlager zerstört und auch die Privatwohnung des Händlers verwüstet wurde, von einem SA-Kommando, das von einem Polizeiinspektor namens Rösch angeführt wurde.
Vor der Lesung hatte Bürgermeister Rainer Vogel sehr persönliche Begrüßungsworte gesprochen und von seiner von der Nachkriegszeit geprägten Kindheit in Nürnberg erzählt. Vom zahlreichen Besuch bei der Gedenkveranstaltung zum 9. November zeigte er sich "bewegt". Thema in de Alten Schule waren auch noch die Schicksale Woltersdorfer Juden, später zogen die Gäste zu den Stolpersteinen in der Ethel-und-Julius-Rosenberg-Straße. Am Gedenkprogramm in Woltersdorf beteiligte sich auch die Kirchengemeinde. Ulrike Schneider sang im Gotteshaus hebräische Lieder.