Um die Lust am Schreiben - und an diesem Abend auch am Vorlesen - geht es den Autoren. Im Woltersdorfer Kulturcafé freut sich Denise Henrion vom Verein Alte Schule "auf die Vielfalt der Gedanken". Und tatsächlich wird die Themenbreite der Schriftsteller so groß wie ihre Altersspanne sein - die reicht von 28 bis 85 Jahren.
Margot Gerisch, vor 13 Jahren die Gründerin der Schöneicher Schreibwerkstatt, macht bei der Lesung den Anfang. Vor den gut 20 Zuhörern nimmt sie an einem großen Tisch Platz. "Wir haben Jahre gebraucht, um in die Öffentlichkeit zu gehen", sagt sie fast schüchtern, "inzwischen machen wir das öfter. Und wir werden uns Mühe geben, dass Sie nicht einschlafen."
Die Gefahr besteht nicht. Weder bei ihren Szenen einer Ehe im Auto, noch bei einem der nachfolgenden Gedichte von Peter Dehmel über die Schöneicher "Akazienstraße" im Frühjahr. Meist fließen eigene Erfahrungen in die Lyrik und Kurzgeschichten ein. Wenn etwa Helga Buch über ihre "Italienreise" berichtet oder die Woltersdorferin Helga Baudis in "Spätlese" Bezug auf ihren Kater Billy nimmt. "Mama, du erlaubst ihm ja alles" - das hören sie von ihren Kindern. "So ist das mit der Liebe im Alter", schließt Helga Baudis.
Das Publikum lächelt - und belohnt die Vortragenden mit freundlichem Applaus. "Ich habe von der Schreibwerkstatt bisher nur gehört und bin überrascht von der Qualität und Vielfalt", sagt Zuhörerin Ursula Scholz aus Schöneiche.
Helga und Erhard Scherner übersetzen Gedichte und Geschichten des Chinesen Qi Baishi und erzählen über ihre jahrzehntelangen Erfahrungen mit dem Land. Von Erlebnissen bei heimischen Canasta-Abenden berichtet Marcel Schock in "Kombinatorische Überraschungen". Um Schulerlebnisse geht es bei Daniel Brodski, dem jüngsten Mitglied.
Beinahe immer sind die Kurzgeschichten spannend. "Viel zu selten begeben wir uns in die Welt, um andere an unseren Werken teilhaben zu lassen", sagt Antje Wilding von der Schreibwerkstatt. "Was wir schreiben, ist nicht perfekt, auch wenn es gelegentlich sehr schön ist."
Und es kann auch verstörend sein. So wie der abschließende Vortrag von Klaus Werner Hennig zur Schreckensvorstellung der "Experimentellen Altenpflege": die personalfreie Altenstation mit dem "Abbürstvorgang wie in der Autowaschanlage" und den "20-stöckigen, rotierenden Etagenbetten".
Die Autoren der Schreibwerkstatt Schöneiche treffen sich jeden zweiten Freitag im Monat. Das nächste Mal am 14. März, 18.30 Uhr, im Heimathaus. Autoren und Besucher sind willkommen.