Es dauert nicht lange, da müssen sie zum ersten Mal einschreiten. Balewski winkt ein Boot heran, das sich zwei junge Familien offensichtlich in Berlin gemietet haben. 14 km/h hat das Lasergerät angezeigt. Der Fahrer legt bereitwillig an. Die 20 Euro Verwarngeld, die Balewski verhängt, zahlt er ohne zu murren und sofort in bar. Neben dem Platz des Ausflüglers steht eine geöffnete Flasche eines Biermixgetränks. Ob es sein erstes sei, will Polizeihauptkommissar Balewski, Wachdienstführer im Revier Erkner, wissen. "Ja", sagt der junge Mann. Er wirkt nüchtern, die Polizei verzichtet auf einen Alkoholtest. Der Sonntagsausflug der Familien kann weitergehen.
Insgesamt ist Alkohol auf dem Wasser durchaus ein Problem, das wird aus den Schilderungen von Balewski deutlich. Es gelten die selben Vorschriften wie im Straßenverkehr. Am Freitagabend musste die Wasserschutzpolizei auf dem Dämeritzsee und dem Flakensee gleich drei Mal einschreiten. Zwei Mal bleibt es bei einer Ordnungswidrigkeit – 0,8 und 0,6 Promille hatten die Bootsführer laut der Atemtests im Blut. Im dritten Fall muss vermutlich ein Richter über das Strafmaß entscheiden. "Nach unserem Eindruck hatte der Mann mehr als 1,1 Promille. Damit sind wir im Bereich einer Straftat", so Balewski. Einen Atemtest verweigerte der Mann – die Polizei brachte ihn daher direkt zur Blutentnahme ins Rüdersdorfer Krankenhaus. Am Boot musste der Anker geworfen werden, denn auch alle anderen Besatzungsmitglieder waren nicht mehr fahrtüchtig.
Der Corona-Sommer beschert den Wasserschutzpolizisten aus Erkner, deren Revier nicht nur die Rüdersdorfer Gewässer, sondern auch den Oder-Spree-Kanal bis zur Schleuse Kersdorf und die Storkower Gewässer bis nach Bad Saarow umfasst, jede Menge Arbeit. "Es ist deutlich mehr los als in anderen Jahren", sagt Balewski. "Die Bootsvermieter sind alle ausgebucht." Zu viel Alkohol und zu hohe Geschwindigkeit sind Verstöße, mit denen die Beamten häufig zu tun haben. Zehn Stundenkilometer gelten in der Regel als Höchstgeschwindigkeit. Auf Seen darf es auch bis Tempo 25 gehen – aber nur, wenn das Gewässer mindestens 250 Meter breit ist, wenn rechts und links zum Ufer mindestens 100 Meter Platz sind und wenn durch den erhöhten Wellenschlag niemand behindert wird. Im Alltag machen Balewski und seine Kollegen die Erfahrung, dass dies viele nicht kümmert. "Viele Bootsfahrer haben einen anderen finanziellen Hintergrund", ist der Eindruck des Wachdienstführers. "Die denken sich: Dann zahle ich halt mal, und die nächsten zwölf Mal werde ich nicht erwischt."

Beamte beobachten Blaualgen

Die Polizisten kümmern sich indes auch um Dinge, die mit dem Bootsverkehr nichts zu tun haben. "Als im Flakensee in Woltersdorf die Blaualgen auftauchten, haben wir eng mit dem Ordnungsamt und mit dem Gesundheitsamt zusammenarbeitet", erzählt Balewski. Zunächst habe es fälschlich geheißen, es habe jemand Farbe in den See eingeleitet. "Bei unseren täglichen Streifenfahrten beobachten wir nun, ob sich der Bereich ausweitet oder verringert."