Mit Frühlingsgedichten und Kindergeschichten ist am Sonntag im Woltersdorfer Kulturhaus "Alte Schule" der Welttag des Buches gefeiert worden. Der zum zweiten Mal veranstaltete Lesemarathon lockte zahlreiche Zuhörer an.
Viermal hat er seine Geschichte allein laut vor sich hin gelesen, sich von seinen Eltern letzte Tipps geholt. Als er kurz davor ist, auf das kleine Podest und hinter das Mikrofon zu treten, ist Lennox Doernbrack trotz der guten und intensiven Vorbereitung aufgeregt. "Regelrichtig Angst habe ich gehabt", erinnert er sich später und schüttelt den Kopf. "Und dann hat es so viel Spaß gemacht. Vor allem, weil die Leute alle so aufmerksam zugehört haben." Sein Publikum bilden knapp 30 Kinder, Eltern und Großeltern, die am Sonntagnachmittag zum Lesemarathon im Woltersdorfer Kulturhaus erschienen sind und der Geschichte über Juli, den Finder, lauschen.
Die Veranstaltung anlässlich des Welttages des Buches hat der Verein Kulturhaus Alte Schule bereits zum zweiten Mal veranstaltet. Nach der guten Resonanz im vergangenen Jahr eine Selbstverständlichkeit für Denise Henrion , die die Lesung zusammen mit Heidrun Scheunemann organisierte. "Das Thema Lesen hat im Verein einen hohen Stellenwert. Neben der Kinderlesestunde und der Bibliothek soll der Lesemarathon das dritte wichtige Standbein werden."
Dass auch der siebenjährige Lennox das Lesen toll und wichtig findet, macht vor allem seine Eltern Stolz. Deshalb haben sie ihn auch, mitsamt der kleinen Schwester, zum Lesenachmittag begleitet. "Super, dass den Kindern hier eine solche Plattform geboten wird. Die Leidenschaft am Lesen und Vorlesen ist selten geworden, und deshalb ist es schön, dass sich die Kinder hier gemeinsam damit beschäftigen können", sagt Lennox' Vater Sven Born (39). Darum ist er sicher, dass er auch im nächsten Jahr mit seinen Kindern den Lesemarathon besuchen wird. "Und ich möchte wieder vorlesen", versichert Lennox.
Mit ähnlich großem Enthusiasmus sind später auch die erwachsenen (Vor-)Leser bei der Sache. Nachdem im Vorjahr noch einige Lücken im Programm mit spontanen Beiträgen gefüllt werden mussten, ist der Zeitplan diesmal straff durchorganisiert. Immerhin 16 Lesefreunde haben sich während der gut sechswöchigen Vorbereitungszeit angemeldet. Neben Buchvorstellungen, Gedichten und klassischen Balladen gibt es auch zahlreiche selbstverfasste Stücke. So überrascht Horst Miethe die Zuhörer mit Anekdoten und Versen unter dem Motto "Ach ja, Frauen".
Dann gibt es eine kleine Panne - die sich als großes Glück entpuppt. Eine Vortragende hat sich verspätet und zwingt die Teilnehmer zu einer Pause. Diese allerdings gibt den Anwesenden Zeit, sich über die gehörten Geschichten auszutauschen. "Wir sind nach wie vor ein bisschen auf der Suche nach dem richtigen Format für unseren Lesemarathon", sagt Denise Henrion am Abend. "Vielleicht sind gerade solche Pausen, bei denen wir zusammenrücken und die Geschichten Revue passieren lassen können, eine tolle neue Anregung."