Alte Eisenteile, jede Menge anderer Schrott und viel wild wachsende Natur – noch sieht es auf dem alten Fabrikhof der IPG Kesselberg am Flakenfließ in Erkner etwas wüst aus. Doch ein kleines Gewächshaus, ein Hochbeet und die Fundamente für ein Holzhaus weisen bereits darauf hin, was hier bis zum Sommer in voller Pracht entstehen soll: ein Hofgarten, der von möglichst vielen Menschen genutzt wird.
Ziel ist es, einen Raum für städtische Naturerfahrung zu schaffen, wie Katrin Fleischer vom Woltersdorfer Kulturverein Alte Schule sagt, der das Projekt mit der IPG um ihren Geschäftsführer Hartmut Wolter und dem Pflanzenmuseum Oderbruch umsetzt. Für Kita- und Schulgruppen aus Erkner und Umgebung soll es diverse Mitmach- und Lernangebote in punkto Umweltbildung geben, wie die anderen Nutzer auch sollen sie Hochbeete bepflanzen und die Früchte ihrer Arbeit später selbst ernten können. Der Garten richtet sich zusätzlich an Familien, die sonst keine Möglichkeit zum Pflanzen haben und an Flüchtlinge, die hier ein Stück Heimat wiederfinden können, indem sie Saatgut aus ihren Herkunftsländern anbauen. Er soll ein Ort des Austauschs sein, der die Begegnung zwischen verschiedenen Kulturen und die Integration von Flüchtlingen fördert.
Das Projekt passt gut auf das Gelände mit den alten Fabrikgebäuden, in denen früher das Institut für Optoelektronik beheimatet war, wie Hartmut Wolter erzählt. Umweltbildung wird hier seit acht, neun Jahren groß geschrieben – und zwar in regelmäßigen Workshops der IPG für russische Schüler und Studenten.
Unterstützt wird das Hofgartenprojekt mit 5000 Euro durch das Förderprogramm „Nachhaltige Entwicklung – Lokale Agenda 21“ des Landesumweltamtes. Darüber werden die Hochbeete mitsamt der Pflanzen finanziert, die allen Interessierten über Patenschaften zur Verfügung gestellt werden, davon wurde aber auch das Gewächshaus bezahlt, in dem alte Kulturpflanzen mit witzigen Namen wie Gigant-Superschmelz oder Inkahörnchen kultiviert und weiterverbreitet werden sollen – ein Beitrag zur Artenvielfalt. Und schließlich wurde von dem Geld auch ein Holzhaus mit kleiner Küche angeschafft, in dem die Gartennutzer gemeinsam kochen, backen und sich austauschen können. Es soll in den kommenden Tagen aufgestellt werden. „Vielleicht gibt es bald selbst gebackenen Kuchen mit frischen Erdbeeren aus eigener Ernte“, blickt Katrin Fleischer voraus. Unterstützung bekommen sie und Hartmut Wolter von den Bundesfreiwilligen Ayla Lorenz (21) aus Königs Wusterhausen sowie den Eritreern Aman (22) und Samial (19). Die beiden jungen Männer helfen beim Aufbau der Hochbeete und des Holzhauses, während Ayla Lorenz in diesen Tagen Pflanzen im Gewächshaus aussät und eine Woltersdorfer Kita-Gruppe auf einen Ausflug in den Garten vorbereitet, indem sie mit den Kindern im Garten der Kita schon mal das Pflanzen übt. Zu Projektbeginn holte sie die Angebote für das Gewächs- und Holzhaus ein.
Um den Garten zu beleben, suchen die Organisatoren kleine Gruppen aus Kitas und Schulen, Einheimische, Migranten und Aussiedlerfamilien für die Gartenarbeit. Sie organisieren Patenschaften und gestalten Workshops für den Bau der Hochbeete. Am 20. Juni, ab 15 Uhr, soll die große Einweihungsparty steigen.
Weitere Informationen über das Projekt bei Hartmut Wolter (Tel. 03362 7000377) und Katrin Fleischer (Tel. 0163 3657698).