Anlass für den Vorstoß seiner Fraktion sei ein Brief von zwei Anwohnern aus der Unterlaufstraße gewesen, erzählt Gemeindevertreter Klaus Raddatz. Das Schreiben war zunächst an Bürgermeister Ralf Steinbrück geschickt und dann an die Kommunalpolitiker weitergeleitet worden. Es beginnt mit den Sätzen: "Nun halten wir es in unserer Unterlaufstraße vor Matsch nicht mehr aus. Warum, in aller Welt, wird unsere Straße nicht endlich befestigt? Schon 2015 sollte das erledigt sein - und nun waten wir immer noch im Schlamm." Mehrfach, heißt es weiter, habe man sich an die Gemeinde gewandt, um Abhilfe zu schaffen. Vom Bürgermeister habe man dann zu hören bekommen, dass erstens kein Personal da sei, um eine Straßeneinwohnerversammlung zu organisieren, und zweitens sowieso kein Geld vorhanden sei.
Die Frau, die den Brief verfasste, berichtet, dass die Straße für ihren auf einen Rollator angewiesenen Mann nicht nutzbar sei und er nur aus dem Haus komme, wenn sie ihn mit dem Auto fahre. In dem Brief wird die Frage gestellt, warum man die Einwohner nicht in Eigenregie bauen lasse, wenn die Gemeinde schon kein Geld habe?
Und genau hier setzt Klaus Raddatz vom Bürgerbündnis an. Mit einer einfachen Methode wollen er und seine Fraktionskollegen zusammen mit der FDP verhindern, dass der bekannte Mechanismus greift, der wie folgt ablaufe: Eine Straßenbaumaßnahme wird vorgestellt, die Anwohner sagen, dass sie ihnen zu teuer ist und die Gemeinde leitet daraus ab, dass der Straßenbau nicht gewollt ist. Raddatz schwebt der Straßenbau mit einer Tränkdecke vor. Für dieses Verfahren werde das vorhandene Straßenmaterial verwendet, abgezogen und als Unterbau für eine getränkte Bitumendecke genutzt. "Die Haltbarkeit solcher Straßen liegt bei bis zu 20 Jahren", sagt Klaus Raddatz und verweist auf Erfolge in anderen Kommunen. "In Eichwalde, Königs Wusterhausen und im Amt Mühlenbecker Land hat man damit zahlreiche Sandstraßen befestigt. In Eichwalde habe ich mit dem Bauamt gesprochen, dort hieß es, dass die Anwohner sehr zufrieden sind", sagt er.
Der große Vorteil gegenüber anderen Ausbaumöglichkeiten sei, dass die Tränkdecken-Methode bei 20 Prozent der Kosten eines Straßenausbaus in Verantwortung der Gemeinde liege. Raddatz und seine Kollegen haben schon eine Firma organisiert, die den Straßenbau in der Unterlaufstraße umsetzen würden. "Damit es günstiger wird, soll die angrenzende Weisheimerstraße gleich mitgemacht werden. Dann wäre das gesamte Quartier befestigt", betont Raddatz. Nach seinen Berechnungen würden auf jedes der 40 Grundstücke an beiden Straßen etwa 2000 Euro entfallen.
Als Grundlage für den Ausbau soll die Richtlinie über den privat finanzierten Straßenbau dienen, die im Mai in der Gemeindevertretung beraten werden soll, sagt Raddatz. Seine Fraktion hat ein Schreiben an die Anwohner verteilt, in dem sie über die von ihnen eigenfinanzierte Ausbau-Möglichkeit informiert werden. Für jede Straße wurde ein verantwortlicher Ansprechpartner für die Gemeinde benannt, auch eine Anwohnerversammlung ist geplant. Wenn alles gut laufe, könnte die Befestigung der Sandwege im September beginnen. "Unser Ziel ist, dass diese zwei Straßen vorbildhaft saniert werden, damit dann möglichst schnell viele weitere Beispiele folgen können", sagt Raddatz.