Die Verhandlungen werden hart geführt. Team gelb, bestehend aus Colin (11), Johann (9) und Nicolas (12) vom christlichen Jugendclub Oase in Woltersdorf feilschen mit Team grün - bestehend aus den drei Brüdern Paul (12), Leon und Maik (beide 14) um das Tauschverhältnis von Erzen und Straßen. "Ein Erz gegen eine Straße" bieten die Gelben an, aber die Grünen wollen zwei Erze für eine Straße. Der Tausch kommt nicht zu Stande, die nächste Mannschaft ist mit Würfeln an der Reihe.
Fans des beliebten Brettspiels "Die Siedler von Catan" kennen diese Rituale, aber sie sitzen üblicher Weise an einem Tisch. Am Donnerstagnachmittag sollte der strategische Wettstreit um Ansiedlung, Rohstoffe und Straßenbau in einer Groß-Version auf dem Hof vor der Alten Schule ausgespielt werden, aber eine Stunde vor Beginn, um 14 Uhr, entschieden sich die Organisatoren dann doch noch, auf die vorbereitete Variante unter einem Dach zurückzugreifen - dem der Turnhalle in der Vogelsdorfer Straße.
Dorthin kamen Sascha Grammelsdorff und Ines Ullrich vom Berliner Verein Denkmal-Werte. Die beiden Pädagogen haben vor mehr als zehn Jahren, damals für einen Berliner Jugendclub, mit Zustimmung des Autors des Spiels, Klaus Teuber, eine Groß-Version der "Siedler von Catan" ersonnen und geschaffen. Darin sind die sechseckigen Spielfelder etwa einen Quadratmeter große Teppiche, die Würfel sind Sitzkissen, das Erz wird mit angemaltem Bauschaum dargestellt, und das Holz mit Holz.
Ines Ullrich und Sascha Grammelsdorff kennen Katrin Fleischer vom Kulturhaus-Verein Alte Schule, privat auch leidenschaftliche Siedler-Spielerin - und so kam es dazu, dass die Großversion am Donnerstag erstmalig außerhalb von Berlin eingesetzt wurde.
Bei den Jugendlichen traten vier Teams an, aus Woltersdorf, Rüdersdorf und Fürstenwalde. Manche von ihnen kennen das Spiel von zu Hause, für andere ist es neu, zum Beispiel für die elfjährige Gina, die mit ihren Freundinnen aus dem Rüdersdorfer Jugendclub Notbremse in den Nachbarort gekommen ist. Mit blauen Schals agierten sie als Team "Frauenpower". Marius vom Team Rot haderte derweil mit dem Würfel-Glück seiner Truppe:"Wir mussten viel weggeben." Zeitweilig schien sich ein Sieg des gelben Teams abzuzeichnen - aber nach rund zwei Stunden, unterbrochen von gelegentlichen Trinkpausen, hatte doch das grüne Brüdertrio mit drei Häusern, einer Stadt und einer Siegerkarte die zuvor festgelegte Zielmarke von sechs Siegpunkten erreicht und durfte jubeln. "Wir spielen auch manchmal zu Hause", erklärten die drei Jungs.
Katrin Fleischer will die Aktion im Frühjahr wiederholen, dann wirklich im Freien. Nach der kleinen Siegerehrung für die Jugendlichen hatte sie es eilig: "Los, schnell - jetzt sind die Erwachsenen dran."