Susanne Branding, die Geschäftsführerin der Wohnungsgesellschaft Erkner, begrüßt die Änderung des Meldegesetzes sehr. Im bisherigen Zustand sei dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet gewesen. Das betrifft vor allem die Anzahl der in einem Haushalt gemeldeten Personen. Sie habe das selbst schon erlebt, sagt die Geschäftsführerin - in Erkner allerdings nicht. Der Verwaltungsaufwand halte sich in Grenzen.
Man habe das entsprechende Formular jetzt in den Vermietungsprozess so eingebunden, dass es gleich mit dem Mietvertrag ausgedruckt wird, teilte Susanne Branding mit. Die Bescheinigung muss die WGE auch ausstellen, wenn Bürger von einer ihrer Wohnungen zu einer anderen ziehen. Die WGE hat circa 180 Wohnungswechsel im Jahr, davon 30 im eigenen Bestand.
Auch die Geschäftsführerin der Gemeindewohnungsbaugesellschaft Woltersdorf (GWG), Mandy Suhrbier, begrüßt das neue Melderecht. Die GWG, die 104 eigene Wohnungen hat und weit mehr - um die 400 - fremde verwaltet, muss die Bescheinigung auch für diese Wohnungen ausstellen.
"Die großen Vermieter wissen alle Bescheid", sagt auch Karin Börner, die Leiterin des Bürgerbüros in Erkner. Sie glaube auch, dass die neue Regelung helfe, Scheinanmeldungen zu vermeiden - zumal ein einschlägiger Vordruck den ausdrücklichen Hinweis enthält, dass es verboten ist, eine Bescheinigung für jemanden auszustellen, der gar nicht eingezogen ist. Innerhalb von Erkner ziehen nach ihren Angaben rund 400 Menschen im Jahr um, es gibt 650 bis 700 Zuzüge und 550 bis 600 Wegzüge.
Auch für private Vermieter ist das Ausstellen der Bescheinigung wenig mehr als eine Formalie. "Es kostet ja nichts und trägt zur Ordnungsmäßigkeit bei", sagt Helmut Roschkowski, Chef der Ortsgruppe Erkner und Umgebung des Lobby-Verbands "Haus und Grund".
Deutlich verhaltener bewertet Maika Eberlein, die stellvertretende Bürgermeisterin von Schöneiche, die Änderungen. Es bleibe abzuwarten, ob die Anzahl der Scheinanmeldungen sinken werde. "Die Praxis zeigt, dass nahe Verwandte und Bekannte aus unterschiedlichen Gründen bereit sind, einen nicht stattfindenden Einzug zu bestätigen." Maika Eberlein spricht von ein bis zwei aufgedeckten Scheinanmeldungen pro Jahr, da es schwierig sei, so etwas zu beweisen. Anders als Woltersdorf und Erkner vermietet die Gemeinde Schöneiche ihre Wohnungen selbst, zur Zeit 286. 2015 sind bisher rund 900 Anmeldungen (einschließlich 198 innerörtliche Umzüge) und rund 500 Abmeldungen erfasst.
Das Thema Scheinanmeldungen spielt auch für die Müllabfuhr eine Rolle. Der kreisliche Entsorger KWU gleicht deshalb zum Jahresende immer mit dem jeweiligen Einwohnermeldeamt ab, wie viele Bewohner registriert sind, sagt Evelyn Neidhardt vom KWU. Sie macht darauf aufmerksam, dass Bürger, die sich nicht korrekt abmelden, auch Nachteile haben könnten.
Wenn ein Eigentümer einzieht - zum Beispiel ins frisch errichtete Eigenheim -, wird er als sein eigener Wohnungsgeber angesehen, sagt Karin Börner vom Bürgerbüro in Erkner. Eine regelmäßige Überprüfung finde da nicht statt, sagt sie.

Pflichtangaben

Das muss die Wohnungsgeberbestätigung enthalten: ¦ Name und Anschrift des Vermieters ¦ Name und Anschrift des Eigentümers, soweit dieser nicht selbst Vermieter ist ¦ Art des meldepflichtigen Vorgangs mit Einzugs- oder Auszugsdatumdie Anschrift der Wohnung ¦ die Namen der meldepflichtigen Personen.