Schulgesundheitsfachkraft – Zukunfts- oder Auslaufmodell? Gerade hat sich das Land Brandenburg finanziell aus dem bis dahin erfolgreichen Pilotprojekt an 17 Schulen komplett herausgezogen.
Für die Stadt Erkner ist der Verzicht aber keine Option. Auf Wunsch der Schulgemeinschaft der Löcknitz-Grundschule und mit Beschluss der Stadtverordnetenversammlung hat Erkner als erste Kommune in Brandenburg so eine zusätzliche Stelle nun sogar erst geschaffen.

Bernau und Brandenburg an der Havel ziehen nach

Bernau und Brandenburg an der Havel ziehen nach und werden ihre Schulgesundheitsfachkraft-Stellen auch selbst finanzieren und dabei auf die bisherigen guten Erfahrungen aufbauen.
Welche Aufgaben hat eine Schulgesundheitsfachkraft? – „Na, da wird wohl jemand nur Pflaster kleben, Tränen trocknen und den Rettungsdienst informieren“, könnte jemand meinen. Das stimmt so nicht, macht Jeanette Dießner deutlich. „Ja, es gehört auch dazu, aber eben auch vielmehr. Ich möchte vielmehr Anregungen für eine gesunde Lebensweise geben, damit Krankheiten gar nicht erst entstehen.“

Vorherige Stelle in Bernau

Bisherige Erfahrungen in dem neu entstandenen Beruf konnte Jeanette Dießner an einer Bernauer Einrichtung sammeln. Nun freut sie sich, möglichst viele der 550 Löcknitz-Grundschülerinnen und -Schüler sowie das Kollegium kennenzulernen und Vertrauen aufzubauen. Dabei ist sie an die Schweigepflicht gebunden, so dass sich die Kinder mit allen Anliegen an sie wenden können.
Gibt Anregungen für eine gesunde Lebensweise: Jeanette Dießner, neue Schulgesundheitsfachkraft an der Löcknitz-Grundschule Erkner.
Gibt Anregungen für eine gesunde Lebensweise: Jeanette Dießner, neue Schulgesundheitsfachkraft an der Löcknitz-Grundschule Erkner.
© Foto: Dennis Meier-Schindler
In die Konzeption der neuen Stelle haben sich auch verschiedene Erkneraner Schulgremien eingebracht, wie Schulelternsprecher Lars Poschitzki auf Nachfrage mitteilt. „Dass nun Erkner auf dem Gebiet Schulgesundheitsfachkraft sogar Vorreiter ist, nehmen die Eltern als etwas sehr positives wahr“, lobt der Elternvertreter.

Netzwerke in Erkner

Eng zusammenarbeiten wird Dießner dabei nicht nur mit dem Kollegium, dem Schulleiter Sebastian Witt, mit der Schulsozialarbeiterin, sondern auch mit den Kinderärzten der Umgebung, dem Familienbündnis Erkner, dem Sozialpsychiatrischen Dienst und der Stadtverwaltung. Zum Thema Schweigepflicht muss an dieser Stelle korrekterweise aber erwähnt werden, dass es da zwei große Ausnahmen gibt: wenn ein Kind Suizid-Gedanken äußert oder es um den Verdacht von Missbrauch in jeglicher Form geht.

Schöneiche/Erkner/Gosen

Ursprünglich Kinderkrankenschwester

Eigentlich wollte Jeanette Dießner einmal Hebamme werden. Das hat zwar nicht geklappt, dafür nahm sie ein Fachschulstudium in Eisenhüttenstadt auf und wurde Kinderkrankenschwester. Mit dieser profunden Ausbildung hat sie unter anderem. im Rüdersdorfer Krankenhaus auf der Station für Gynäkologie/Geburtenhilfe gearbeitet. Sie selbst ist in Erkner zur Schule gegangenen und lebt in der näheren Region. Von daher ist der berufliche Wechsel jetzt für sie nach Erkner auf alle Fälle eine Verkürzung ihres Arbeitsweges.

Bedürfnisse einbeziehen

Der neuen Schulgesundheitsfachkraft in Erkner macht die direkte Zusammenarbeit mit ihren kleinen Patienten Spaß. „Die Kinder sollen mit einbezogen werden, denn ich habe gar kein starres Lehrprogramm, sondern reagiere auf die Bedürfnisse, Anregungen und Hinweise der Schulkinder.“ Dazu wird eventuell auch ein kleiner Briefkasten, eine Art Kummerkasten, vor ihrer Bürotür nützlich sein. Und bisher hat sie mit ihren Anregungen zur gesunden Lebensweise (zu der bekanntlich auch die richtige Ernährung gehört) schon den Kunst- und Chemieunterricht oder speziell zum Thema Hygiene auch den Wirtschaftskurs an ihrer bisherigen Wirkungsstätte bereichert.

Ihr berufliches Motto ist es: „Nur gesunde Kinder können gut lernen“. Dabei gibt Jeanette Dießner bei ihrer Arbeit aber nicht etwa Tabletten aus, sondern setzt auf sanfte Hilfen, wie verschiedene Kräutertees oder physikalische Hilfen durch Wickel, Wärme, Kälte und so weiter. Am Abend vor ihrem beruflichen Neustart in Erkner wird sie ganz aufgeregt sein, da ist sich Jeanette Dießner sicher. „Es wird in Erkner spannend werden und ich lasse mich gern ein, auf dieses Abenteuer! Es fühlt sich irgendwie an, wie vor dem ersten Schultag.“