So ähnlich die Ausgangslage auf den ersten Blick wirkt, so unterschiedlich ist sie in Erkner und Woltersdorf. Der Kardinalunterschied: Erkner betreibt selbst keine einzige Kita, hat alle an freie Träger abgegeben. Woltersdorf dagegen betreibt zwei eigene Einrichtungen.
Nach Lesart der Stadtverwaltung in Erkner braucht man die eigene Satzung überhaupt nur für die ziemlich kleine Gruppe von Kindern, die in Berliner Einrichtungen gehen. Gleichwohl werden mit dieser Satzung auch Rahmenbedingungen festgelegt, die von den freien Trägern – Rotes Kreuz, Arbeiterwohlfahrt und Evangelische Kirche – in Beitragsordnungen übernommen werden sollen.
Die freien Träger werden zwar ihre eigenen Kosten kalkulieren müssen – das gilt übrigens auch in Woltersdorf, wo Evangelische Kirche und Arbeiterwohlfahrt ebenfalls Kitas führen. Aber die Träger in Erkner sollen  alle gleich und genauso rechnen wie die Stadt, wenn es darum geht, das anzurechnende Elterneinkommen zu ermitteln, die Elternbeiträge zu staffeln, zu ermäßigen oder zu erlassen; außerdem bei der Platzkostenkalkulation.
Was sich anhört wie eine dröge Bürokratenfrage, birgt finanziellen Zündstoff. Zu einem mit scharfen Tönen geführten Streit entwickelte sich im Bildungsausschuss nämlich die Frage, ob die Grundstückskosten der Stadt in die Platzkostenkalkulation eingehen dürfen oder nicht. Die Größenordnung hat es in sich:
Rund 7,1 Millionen Euro kostet nach den Zahlen der Verwaltung der Kita-Betrieb in Erkner insgesamt, rund drei Millionen Euro davon sind auf die Stadt und die Eltern zu verteilen. 1,69 Millionen Euro, also mehr als die Hälfte des Defizits, betragen die Grundstückskosten. Gehen sie in die Kalkulation ein, steigen die Kosten pro Platz und in der Folge auch die Elternbeiträge, bleiben sie außen vor, sinken sie. Michael Voges von der Linken sagte, weil diese Kosten real gar nicht anfielen, hätten sie in der Kalkulation nichts verloren.
Geschäftsbereichsleiterin Katrin Rusch sah das genau andersherum. Sie verwies darauf, dass die Stadt ja Instandhaltungskosten habe, wenn sie die Kita-Gebäude repariere. Beide Seiten beriefen sich für ihre Auffassung auf das gleiche Gerichtsurteil. Rita-Sybille Heinrich von der Linken rief erregt in den Saal, die Verwaltung möge ihre Hausaufgaben machen. „Was Sie bisher abgeliefert haben, stimmt alles nicht.“ Katrin Rusch hielt dagegen: „Wir haben definitiv nur angerechnet, was wir dürfen.“
Silke Voges, sachkundige Einwohnerin der Linken, griff sich eine Zahl heraus, die für die in Berlin betreuten Kinder als Elternbeitrag herauskommen könnte: 623 Euro für ein Krippenkind für die Bezieher der höchsten Einkommen; heute sind es 390 Euro. Silke Voges war das genug, um das Zahlenwerk als irreal und nicht sozialverträglich zu bezeichnen. Ungesagt dabei blieb, dass die heute gültige Satzung den Höchstbetrag schon bei einem Netto-Jahreseinkommen von über 41 001 Euro verlangt und dass diese Einkommensgrenzen deutlich angehoben werden müssen. Zahlen dazu lagen nicht vor, wie überhaupt die Details nicht öffentlich zugänglich sind.
Bürgermeister Henryk Pilz sagte, natürlich könne man politisch entscheiden, dass die Stadt das gesamte Defizit finanzieren solle. „Die nächste politische Entscheidung wird dann aber sein, was wir alles an freiwilligen Leistungen streichen.“ Nach mehr als einstündigem Streit brach die Ausschuss-Vorsitzende, Elvira Strauß, die Beratung ohne Abstimmung ab. Die Verwaltung soll jetzt an einigen Punkten nacharbeiten. Heute befasst sich auch der Finanzausschuss mit dem Thema.
In Woltersdorf soll indes im Januar mit der Rückzahlung zu viel gezahlter Elternbeiträge begonnen werden. Die Eltern müssen dies nicht beantragen, sagte Sozialamtsleiterin Jenny Loponen. Bei kommunalen Kitas betrifft das die Jahre ab 2014, bei freien Trägern aus rechtlichen Gründen – dort gelten andere Verjährungsfristen – erst ab 2015. Die Gemeindevertreter müssen nun entscheiden, ob sie den Rückzahlungszeitraum für die freien Träger erweitern wollen. Korrekturbedarf war nach landesweitem Wirbel um diese Beiträge entstanden. Nach der Beratung im Sozialausschuss entscheidet nun die Gemeindevertretung endgültig über die Kita-Satzung.