Zu dem Treffen im Hotel "Alte Mühle" hatte der Verein der Eigenheim- und Grundstücksbesitzer eingeladen. Gekommen seien um die 200 Menschen, berichtete dessen Regionalbeauftragter Egon Ehrle am Freitag. Weil der Raum so viele Menschen nicht fassen konnte, seien um die 40 unverrichteter Dinge wieder gegangen. "Wir waren überwältigt von der Resonanz", sagte Ehrle. Tenor der Veranstaltung nach seinen Worten: Viele Sandstraßen-Anlieger, darunter seien auch Woltersdorfer gewesen, hätten Angst vor massiven Kosten durch eine grundhafte Erschließung.
Gefordert wurde die Suche nach Alternativen. Eine Möglichkeit sei das sogenannte Bernauer Modell. Dort wird auf Initiative der Freien Wähler nur noch da gebaut, wo es eine Mehrheit der Anlieger wünscht. Beispielsweise in einer Niederung, wo es ein Regenwasserproblem gab und man dringend eine Entwässerung der Grundstücke und der Straßen brauchte. In den anderen Straßen wird auf Schotter- oder Sandpisten eine zehn bis zwölf Zentimeter dicke Asphaltschicht aufgebracht. Die Anwohner zahlen dafür keine Beiträge, müssen Grundstückszufahrten aber selbst finanzieren.
In der Gemeindevertretersitzung ebenfalls am Donnerstagabend wurde Bürgermeister Ralf Steinbrück damit beauftragt, die Anwendbarkeit des Bernauer Modells in Schöneiche zu prüfen.   "Es ist offenkundig, dass der Umgang mit Sandstraßen bürgerfreundlicher sein kann als in Schöneiche", hatte Artur Pech (Linke) den Antrag seiner Fraktion begründet. Zustimmend äußerte sich Philip Zeschmann (BBS/UBS).
Er halte es für gut, sinnvolle und angemessene Möglichkeiten, die woanders genutzt werden, für Schöneiche zu prüfen. Zeschmanns Fraktion will mit einem Bürgerbegehren erreichen, dass die Anlieger entscheiden, ob eine Sandstraße überhaupt angefasst wird. Mehr als 600 Unterschriften sind nach seinen Angaben schon zusammengekommen; um einen Bürgerentscheid in Gang zu bringen, müssen es in Schöneiche etwa 1000 sein. Durchgefallen war am Donnerstag der Antrag von BBS/UBS, die Beiträge, die Anlieger für die Erschließung von Sandstraßen zahlen müssen, von 90 auf 80 Prozent zu senken.
Die Anwohner stärker in die Entscheidung einzubeziehen, halte er für gut, kommentierte Stefan Brandes (Grüne) diesen Vorstoß. Er halte aber nichts davon, die Kosten den Steuerzahlern aufzubürden. Henry Drozdzynski (NF/Grüne/Feuerwehr) äußerte Verständnis für die Anwohner. In der Diskussion werde aber zu oft vergessen, was die Gemeinde an freiwilligen Leistungen für die Bürgerschaft finanziert und dass dieses Geld irgendwo herkommen müsse.
In der Debatte um das Bernauer Modell erinnerte Bürgermeister Steinbrück an eine Diskussion von vor zwei Jahren. Damals sei ein vereinfachter Sandstraßenausbau in der Gemeindevertretung durchgefallen. Pech erwiderte, er hoffe auf eine Tendenzaussage, welche Möglichkeiten Schöneiche bei der Befestigung der Sandstraßen hat. "Es liegt Druck auf diesem Problem", sagte er. "Wir sollten deutlich machen, dass wir mit allen Mitteln daran arbeiten."
Unterdessen hat eine Bürgerinitiative für den 5. April, 12 Uhr, zu einer Kundgebung vor dem Rathaus aufgerufen. Wolfgang Graetz aus der Fichtestraße gehört zu den Initiatoren, er war auch im Hotel "Alte Mühle" dabei. Er sei froh, dass Bewegung in die Sache zu kommen scheine, kommentierte er den Abend am Freitag.