Doch in großer Runde getagt
Eysser wies zu Beginn der Stadtverordnetenversammlung ausdrücklich darauf hin, dass die Stadtverordneten in großer Runde zusammenkommen mussten, weil Michael-Erdwin Voges (Linke) eine Woche vor dem anberaumten Sitzungstermin einen Rückzieher gemacht hatte. Der Grund: Er sehe die Sitze in verkleinerter Runde nicht korrekt verteilt, erklärte Voges. "Ich habe mich auch gefragt, ob wir einzelnen Stadtverordneten das Recht absprechen können, an einer Stadtverordnetenversammlung teilzunehmen." Jan Landmann (SPD) hatte schriftlich sein Unverständnis darüber ausgedrückt, weil eine kleinere Runde eine Möglichkeit sei, die Maßnahmen zur Kontaktreduzierung umzusetzen. Annette Hildebrandt (Grüne) blieb der Sitzung fern, weil sie zur Risikogruppe gehört. Sie habe den Eindruck, dass es nicht um konstruktive Ansätze gehe, das Problem zu lösen, schrieb sie in einer Mail. "Außerdem scheint niemand außer uns an einer technischen Lösung interessiert zu sein." Wie zum Beispiel an einer Livestream-Übertragung.
Entsprechend heftig wurde später darüber gestritten, ob die Aufgaben der Stadtverordnetenversammlung während der Corona-Krise auf den Hauptausschuss übertragen werden, damit Entscheidungen getroffen werden und die Verwaltung arbeiten kann. Nur  knapp die Hälfte aller Abgeordneten sind in diesem Gremium vertreten. Den entsprechenden Antrag hatte der Bürgermeister eingereicht. Voges argumentierte dagegen und verwies dabei auf das gerade in Kraft getretene Gesetz zur Sicherstellung der Handlungsfähigkeit der brandenburgischen Kommunen in außergewöhnlichen Notlagen.
Das Gesetz legt fest, dass erst geprüft werden muss, ob die Übertragung auf den Hauptausschuss nötig ist. Bevor dies nötig ist, muss geklärt sein, ob entweder eine Sitzung mit Abstand wie in der Stadthalle möglich ist, eine Ton- oder Videoübertragung oder ein Umlaufverfahren in Papierform. "Im Grunde können wir uns auch unter freiem Himmel treffen", erklärte er. Die Mehrheit folgte der Argumentation und stimmte einem Änderungsantrag von Erik Nickel (CDU) zu: In der nächsten Sitzungsperiode können die Fachausschüsse zusammenkommen. Der Vorsitzende des jeweiligen Ausschusses oder der Stadtverordnetenversammlung legt gemeinsam mit dem Bürgermeister fest, ob und wie sie das tun – und wie die Öffentlichkeit einbezogen wird.
Da die Verwaltung bislang keine technischen Voraussetzungen für Livestream- oder Online-Sitzungen hat, geht Eysser davon aus, dass die nächste Stadtverordnetenversammlung im Juni wieder in der Stadthalle stattfinden wird. Mit einem Desinfektionsmittel am Eingang für die Hände und Sicherheitsabstand zwischen den Sitzplätzen aller Anwesenden.