Die musikalische Kommunikation funktionierte und feuerte auch das Publikum an: "Wenn ihr Durst habt, Männer, sagt Bescheid", tönte es aus den Reihen. "Bescheid", antwortete Georg Schroeter prompt und hatte die Lacher - und dann eine Runde Bier auf seiner Seite. Doch die Künstler begeisterten nicht nur mit Schlagfertigkeit, sondern vor allem mit ihrem Können. Schnell wurde klar, warum Zwingenberger und Schroeter als erste Nicht-Amerikaner beim weltweit größten Blues-Festival in Memphis den Award erstmals aus dem Mutterland des Blues entführen konnten.
"Es macht so viel Spaß, hier bei euch zu spielen", rief Schroeter von der Bühne und holte Klänge aus seinen Tasten, dass selbst das Mikrofon abknickte und sich vor der Virtuosität zu verneigen schien. Seine Kollegen standen ihm nicht nach: Breitfelder spielte hingebungsvoll und zauberte Töne zwischen Alphorn, Piccoloflöte oder gestopfter Trompete, von denen man nicht meinte, dass sie einer Mundharmonika entsprängen. Mohr streichelte die E-Gitarre, um ihr Grandioses zu entlocken. Und Zwingenberger überzeugte neben kleinen Jongliereinlagen vor allem mit seinem Dampflok-Solo, das wahre Jubelstürme hervorrief. "Kennt ihr eigentlich noch Dampfloks", fragte er. "Ihr seht so jung aus", schob er verschmitzt hinterher und dann ganz trocken: "Ich lass dann mal einen fahren", um seine Zugreise mit Bremsenquietschen zu beginnen, was durch Kreisen der Trommelstöcke auf dem Becken imitiert wurde.
So trieben sich die Musiker, unterstützt vom begeisterten Publikum, zu Höchstform an und improvisierten einen Song nach dem anderen: eigene wie "Rock in USA", was 2011 während der Amerikatour entstand, oder Variationen von Clapton, CCR und den Rolling Stones. Spätestens bei "Cocaine" und einem Boogie Woogie riss es viele vom Hocker, man musste einfach tanzen.
"Wir haben einen Glückstreffer gelandet", freute sich Andrea Strauch aus Rüdersdorf. "Wir sind keine eingefleischten Blues-Fans, wollten einfach mal raus, nicht daheim vorm Fernseher sitzen. Ich bin angenehm überrascht und total begeistert."
Auch die Künstler waren des Lobes voll über Schöneiche und sein Publikum: "Das war der Knaller", meinte Jan Mohr nach dem Konzert. "Bis nächstes Jahr."