Die Idee eines Kreiskalenders ist viel älter als die meisten denken. Michel Nowak, Journalist beim RBB und häufig Autor der MOZ, überraschte zu Beginn der Veranstaltung mit etwa 30 Besuchern mit dem Hinweis, dass der erste Kreiskalender schon 1907 erschien - damals allerdings im Kreis Beeskow-Storkow.
Im lockeren Plauderton interviewte der Grünheider, der die Veranstaltung schon viele Jahre moderiert und ebenso regelmäßiger Autor im Kalender ist, vier Gäste der Veranstaltung - drei Autoren, aber zunächst eine Künstlerin, die Nowak selbst porträtiert hat: Gertrud Zucker aus Bad Saarow, deren Illustrationen 8,5 Millionen Kinderbücher zieren. Sie hatte, gestand die 81-Jährige, als Jugendliche ganz andere Träume. Sie war eine gute Schlittschuhläuferin. "Ich hätte mich vierteilen lassen, um auf eine Sportschule zu kommen", gestand sie - so etwas gab es aber damals noch nicht.
Bei den drei Autoren, die über ihre Arbeit sprachen, ging es in die Geschichte der Region. Frank Retzlaff, der Historiker aus Erkner, berichtete von seinen Forschungen zur Geschichte der Bahnstrecke Berlin-Frankfurt und der erstaunlichen Erkenntnis, dass etwa alle 800 Meter ein Bahnwärter stand - vermutlich, um mit Handzeichen Signale zu übermitteln. Dafür mussten in Kurven die Bäume weichen.
Dem Veranstaltungsort war eine erhöhte Aufmerksamkeit auf Woltersdorfer Themen geschuldet. Bestatter Gerald Ramm berichtete über seine jahrzehntelange Forschung über Woltersdorf im Nationalsozialismus. Er hat sie in einem großen Buch zusammengefasst, das vor einem Jahr erschien und Nachfolger eines ersten Anlaufs 25 Jahre zuvor war. Der hatte ihm "viel Schelte eingetragen", sagte Ramm offenherzig, über das neue Buch habe sich noch niemand beschwert.
Ramm konnte sich auch ins Gespräch einbringen, als Michael Braun aus Hönow über das "Haus der Heimat" nahe der Schleuse sprach. Dort wurden von dem Hobby-Prähistoriker Hermann Busse gesammelte Urnen ausgestellt. Diese Urnen haben, so Braun, die Installation eines Heimatmuseums in den 1930er-Jahren ermöglicht. Zu Ende jenes Jahrzehnts, also mitten in der NS-Zeit, wurde in dem Haus ein Raum für Fidus eingerichtet, den Woltersdorfer Jugendstilkünstler, der nächstes Jahr 150 Jahre alt geworden wäre. Weihnachten 1943 zerstörte eine Fliegerbombe das Haus. Beim Stichwort Fidus konnte Katrin Fleischer vom gastgebenden Kulturhaus stolz auf die Ausstellungen verweisen, die dazu in Planung sind.
Der Kalender beschäftigt sich auch mit den Regionen, die weiter weg von Berlin sind. So gibt es Beiträge zum Stift Neuzelle, zur Kirche von Friedland und zur erstaunlichen Tatsache, dass das kleine Trebus drei Dauerausstellungen bietet: präparierte Tiere, DDR-Geschichte bei den IFA-Freunden und die ethnologische Sammlung von Friedel und Hannelore Schneider. Manches ist auch nicht ganz gelungen. In Horst Miethes Beitrag über den Erkneraner Juden Fritz Bruno Putziger wird der Bombenangriff von 1944 irrtümlich vom 8. März auf den 8. Mai umdatiert. Der Detailreichtum dieses Textes thematisiert Widersprüche, die im Beitrag "25 Jahre Party-Spaß in der Marmorscheune" übergangen werden. Überschrift und Text suggerieren eine Kontinuität der Rauener Diskothek, die jahrelang geschlossen war, und blenden die Geschehnisse von 2011/12 aus. Damals verhinderten Rauener eine dauerhafte Ansiedlung der NPD auf dem Gelände, und als danach dort eine Einrichtung für jugendliche Intensivtäter untergebracht werden sollte, haben Bürgerproteste das blockiert. Es wäre spannend gewesen, das nachzuzeichnen.
Der Kreiskalender ist zum Preis von sieben Euro in den Tourismusbüros sowie in ausgewählten Buchhandlungen der Region erhältlich.