Der bekannte Sänger und Liedermacher Hans-Eckardt Wenzel ergründet in seinen Liedern „Warum die Erde keine Scheibe ist“ und wie sich ein Abstecher nach „Theresienstadt“ anfühlt. Doch neben neuen Songs hatte er auch altbekannte Titel dabei, darunter das „Kamper Trinkerlied“ von 2008, bei dem so mancher der vielen Wenzel-Fan mitsingen konnte. „Ach wie ist das Leben, ach wie ist das Leben ungesund. Immer einen heben, immer einen heben, immer gibt`s nen Grund.“
Das Konzert ist eines von vielen Höhepunkten im Veranstaltungskalender der Kulturgießerei in diesem Jahr. Ein zweiter war gleich für Sonntag mit dem Auftritt von Ursula Karusseit und Tobias Morgenstern und ihrem Programm „Und immer sind die Weiber weg!“ geplant. Er  musste aber kurzfristig abgesagt werden.  Beate Simmerl, die Leiterin der Kulturgießerei,  überbrachte am Abend dem Wenzel-Publikum die traurige Nachricht, dass Ursula Karusseit am Tag zuvor gestorben war. „Wir haben eine große Künstlerin verloren“, erklärte sie sichtlich ergriffen.
Mit den Gastspielen bekannter Künstler und Bands, darunter Engerling, Monokel und der Blueslegende Mitch Ryder, mit Lesungen, Filmvorführungen und Auftritten von ThaSch, dem Theater aus  Schöneiche, und den Wortgießern hat sich die Kulturgießerei in den 25 Jahren seit ihrer Gründung einen Namen als Veranstaltungsort gemacht. Rund 18 000 Besucher wurden im vergangenen Jahr gezählt. Eine Vielzahl von  Kursen ergänzen das Angebot – vom Trommeln bis zum Hip-Hop-Tanz für Kinder.
Mit einem Tanzprojekt im ganzen Ort wird am 7. September das große Jubiläum gefeiert – und Beate Simmerl blickt optimistisch in die Zukunft. Dank eines jährlichen Zuschusses der Gemeinde von 85 000 Euro ist die Finanzierung des Hauses gesichert. „Einen Teil unseres Etats nehmen wir zusätzlich durch Eintrittsgelder, Saalmieten, Spenden und Projektförderungen ein“, erklärt sie. Die Kulturgießerei ist damit in der Lage, nicht nur Miete und Betriebskosten zu bezahlen, sondern auch sechs Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit.
Problematisch ist nach wie vor das Objekt selbst. Das Haus, Baujahr 1985, gehört den Berliner Stadtgütern – und es gäbe viel zu tun, insbesondere für die energetische Sanierung. „Auf unserer Wunschliste stehen neue Fenster“.  Das Flachdach würde sich für eine Photovoltaikanlage eignen. Die Wünsche sind beim Eigentümer und der Gemeinde bekannt.
Doch es gibt auch Wünsche, die nicht mit Geld zu bezahlen sind. Henry Drozdzynski, ehemals Kugelmann, der Vorsitzende des Trägervereins der Schöneicher Kulturgießerei, sagt: „Wir brauchen Nachwuchs, junge Leute, die sich bei uns engagieren und ihre Ideen einbringen.“ Mit Blick auf das Erreichte verweist er auf die vielen Investitionen, die inzwischen getätigt worden sind. „Wir haben die neuen Stühle vollständig durch Spenden finanziert“, erklärt er. Der Fußboden, die Bar, Toiletten, die Beleuchtung im Saal, vieles ist umgebaut und erneuert worden.
Die Gäste jedenfalls fühlen sich wohl. Viele kommen immer wieder, so wie Brigitte Beier aus Berlin-Mahlsdorf. „Das Haus ist spitze. Ich erkundige mich regelmäßig nach dem Programm“, sagte sie beim Wenzel-Konzert. Und auch dieses Mal hatte sie ihre Freude – am Ende tanzte sie vor der Bühne zu den Liedern mit.