Pünktlich zu Arbeitsbeginn hatte sich die Sonne durch den Hochnebel gekämpft und strahlte vom blauen Himmel. Claudia Loest und Uwe Jacobs holen ihre Laubbesen aus dem Auto, streifen Arbeitshandschuhe über und gesellen sich zu den anderen, die an dem kleinen Spielplatz an der Liebesquelle das viele Laub zusammenharken. "Meine Mutter war früher ganz vernarrt in Woltersdorf. Schon als Kind sollte ich das Wasser aus der Liebesquelle trinken - dann werde man 100 Jahre alt", erzählt Claudia Loest lachend.
Nun wohnt sie selbst seit zwei Jahren in diesem schönen Ort zwischen Seen und Wäldern. "Wir haben in der Zeitung vom Herbstputz gelesen und dachten: Das ist eine gute Sache. Da sind wir dabei." Schnell kommen sie mit Elke Leetz ins Gespräch, deren Familie seit Generationen in Woltersdorf lebt und beim Putzen stets dabei ist: "Es ist doch selbstverständlich, dass man für seinen Heimatort sorgt", sagt sie.
Ein Stück weiter wirbelt der Woltersdorfer Mittelstandsverein und säubert die Strandpromenade. Auch alle Fraktionen der Gemeindevertretung hatten sich Objekte gesucht und holten aus wilden Mülldeponien wie am Berliner Platz, am Lerchenfeld oder im Waldstück an der Postsiedlung säckeweise Unrat hervor, sogar einen alten Sessel und ein rostiges Fahrrad. Laub und Dreck werden vom Bauhof der GWG entsorgt.
Am VdN-Denkmal wird auch gepflanzt. "Das liegt uns sehr am Herzen", sagt Eva Böhm und weist auf ihre Mitstreiter. Der Platz soll mit bunt blühenden Sträuchern freundlicher gestaltet werden. "Wir pflegen dieses Gelände das ganze Jahr über", sagt die engagierte Linke und drückt Erde rund um eine Deutzie an.
Nur zwei Ecken weiter sind Hans Krebs und seine Kollegen der Solidargemeinschaft zum Schutz vor Kriminalität (SSK) aktiv und reinigen das Biotop zwischen Eichberg- und Grünstraße. Sie finden neben viel Müll einen toten Fuchs und informieren Feuerwehr und Förster. Auch die Angelfreunde um Karl-Heinz Ponsel sind mit Harken unterwegs und putzen Grünstreifen und Gelände rund um ihren Verein. Mitglieder vom Kulturhaus "Alte Schule" waren am Marktplatz aktiv.
Lärm einer Kreissäge dringt aus dem "letzten Zipfel" des Ortes kurz vorm Berliner Forst: Rund um den Paddenpfuhl an der Goethestraße hatten sich die Fußballer des Sportvereins mit Kevin Fels und Yves Krüger vom Bauhof verabredet, um diese wilde Ecke zu bereinigen. Dabei hatten sie eine spontane Idee: "Als Kinder sind wir hier immer mit unseren Fahrrädern langgedüst", erzählt Daniel Schulze. "Das war 'ne super BMX-Strecke." Warum sollte das nicht für die Kids wieder freigelegt werden?
Gesagt - getan. Die geplante Putzaktion entwickelte sich zum Projekt. Aus morschen Ästen und dürrem Wildwuchs wurde ein Naturzaun als Begrenzung gebaut. Die alte Strecke hatten einige noch im Kopf. Das Laub wurde weggeharkt, Fußangeln und hochstehende Wurzeln als mögliche Gefahrenquelle beseitigt. So entstand ein Crossweg über natürliche Hindernisse zwischen Bäumen und Sträuchern, der von den Initiatoren und ihren Kindern auch gleich getestet wurde.
Nach dem Putzen gab es bei Würstchen und heißen Getränken ein gemütliches Beisammensein im Kulturhaus "Alte Schule", wo auch Bürgermeisterin Margitta Decker vorbeischaute.