Mittagspause in der Storchengrundschule Schöneiche. Die Kinder stehen an der Essensausgabe an, lassen einen Chip am Computer einlesen und verlassen die Luke mit einem leeren Teller. Seltsam? Nein. Die Mädchen und Jungen gehen nach nebenan in einen der beiden Speiseräume und bedienen sich an der Warmhaltestation. Diesmal gibt es Nudeln mit Tomaten-Mozzarella-Soße. Jeder nimmt so viel, wie er mag. Nachschlag ist möglich. Im Flur warten noch frisch geschnipselte Möhren und Kräuterquark auf die hungrigen Mäuler - am so genannten Vita-Point, der Tag für Tag wechselweise Obst, Pudding, Salat bereit hält. Den Kindern macht das neue Prozedere Spaß. Kleckert jemand, ist der Weg zu Lappen und Eimer zwar nicht immer, aber häufig selbstverständlich.
"Das Essen ist echt lecker", strahlen Laura und Leonie (beide 8) um die Wette. "Wir nehmen uns, was wir wollen und müssen nicht ,stopp' sagen", nennen sie einen Vorzug. Beim alten Anbieter sei das Essen aus dem Thermobehälter gekommen, nun werde es frisch zubereitet. "Den Unterschied schmeckt man", sagen auch die Großen. Pia, Helena, Tobias, Tarek und Arthur aus der 5a sparen ebenfalls nicht mir Lob. Während Arthur und Tobias seit der 1. Klasse am Essen teilnehmen, war bei ihren Klassenkameraden irgendwann Schluss. Pia und Helena hatten zuletzt Schulbrote dabei und sich später zu Hause zum Beispiel eine Fünf-Minuten-Terrine aufgebrüht. "Die Esser haben erzählt, wie toll es neuerdings schmeckt. Ich hab es ausprobiert und blieb dabei", erzählt Tarek.
Die Klasse scheint exemplarisch. Aus vier Teilnehmern sind um die zehn, zwölf geworden. "Wie bei den Lehrern", sagt Schulleiterin Sandra Wendt und nennt einen positiven Nebeneffekt. "Sich selber das Essen zu nehmen, schult die Eigenverantwortung." Dass das Angebot qualitativ und geschmacklich um vieles besser geworden ist, habe sich schnell rumgesprochen.
Allerdings bringt der Essensboom an der Storchenschule auch Probleme mit sich. Da die Zahl der Teilnehmer von etwa 180 auf rund 270 gestiegen ist, reicht die Zeit fürs Essen kaum aus. "Wir werden versuchen, die Mittagspausen auszuweiten", sagt Sandra Wendt.
Auch der Essenanbieter, das Dienstleistungs- und Serviceunternehmen (DLS), stößt aufgrund des Ansturms fast an seine Grenzen. "Wir brauchen mehr Platz für die Zubereitung", sagte Teamleiterin Katrin Pape. Aber dazu gebe es schon Gespräche. Schließlich haben Tamara Reichert und René Kluck alle Hände voll zu tun, die kompletten Gerichte vor Ort frisch zu zubereiten - am Donnerstag unter anderem 199 Steak Hawaii: Hähnchen vorgaren, Ananas und Käse drauf, pünktlich fertig garen. Aber wenn dann das Dankeschön der Kinder kommt, wie der Brief von der 4a, ist der Stress zumindest kurzzeitig vergessen.