Woltersdorf. In Anwesenheit seines Enkels und Urenkels wurde am Freitag dem als Fidus bekannten  Hugo Höppener an seinem Grab auf dem evangelischen Friedhof in Woltersdorf gedacht. Anlass war der 70. Todestag des Künstlers, der im kommenden Oktober 150 Jahre alt geworden wäre.
Das Gedenken auf dem Friedhof war der Auftakt ins Fidus-Jahr, mit dem der Woltersdorfer Verschönerungsverein um seine Vorsitzende Gisela Schuldt, der Verein Kulturhaus Alte Schule und die Evangelische Kirche St. Michael den Künstler ehren wollen, der von 1907 bis zu seinem Tod 1948 in Woltersdorf lebte. Zu der Veranstaltung mit anschließender Gesprächsrunde in der Alten Schule waren viele Bekannte aus Politik und Gesellschaft gekommen, darunter Bürgermeisterin Margitta Decker, Brandenburgs Umweltminister Jörg Vogelsänger, Gemeindevertreter, Vertreter beider Vereine, Einwohner und Fidus-Experten wie Literaturwissenschaftler Wolfgang de Bruyn.
Unter den gut 70 Gästen waren auch Fidus’ Urenkel und Enkel Matthias und Andreas Höppener-Fidus aus Berlin und Heppenheim (Hessen). Letzterer berichtete von Kindheitserinnerungen an seinen „gütigen und verständnisvollen Großvater“, den er, der mit seiner Mutter im Riesengebirge wohnte, mehrmals in dessen Woltersdorfer Haus besuchte. „Ein besonderes Erlebnis war für mich die große zweigeschossige Halle mit den Treppengalerien und den dort zahlreich ausgestellten Bildern. Ich hatte immer ein ehrfürchtiges Gefühl in diesem Raum, in dem auch Großvaters Arbeitstisch voller Bücherstapel stand“, erzählte er. Gern erinnere er sich auch an die Grußkarten, die er von ihm zu besonderen Ereignissen bekam, die letzte an seinem 11. Geburtstag im November 1947, wenige Monate vor Fidus’ Tod. Eine Reihe solcher Karten habe er in seinem Nachlass. Der 81-Jährige berichtete aber auch davon, wie er 1994 das Haus seines Großvaters in der Köpenicker Straße schweren Herzens verkaufte und dann froh war, dass der neue Eigentümer Hans Bischoff sein Wort hielt und es sorgfältig sanierte. 1998 wurde es mit dem Brandenburgischen Denkmalpreis ausgezeichnet. Nachdem danach alle Bemühungen gescheitert waren, daraus ein Museum zu machen, ist es heute in Privatbesitz und kann nicht besichtigt werden. Andreas Höppener-Fidus versprach, den Teil des Fidus-Nachlasses, auf den er Einfluss habe, „zusammenzuhalten, und immer der interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen“. Dem Verschönerungsverein dankte er für die Grabpflege und die Bewahrung des Andenkens an Fidus. Dazu gehört zum Beispiel das im Oktober wieder eingeweihte Denkmal an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs in der Schleusenstraße mit einem Relief des Künstlers, für dessen Sanierung sich insbesondere Gisela Schuldt jahrelang eingesetzt hatte.
Wolfgang de Bruyn erinnerte in seiner Rede nicht nur an das beeindruckende Werk des Malers und Grafikers, das „Gott sei Dank geblieben“ sei, sondern in Anlehnung an den Historiker Heinz Dieter Kittsteiner auch an die politischen Ambivalenzen Fidus’, der sogar NSDAP-Mitglied war. Margitta Decker zeigte sich froh, dass das Fidus-Jahr „recht unterschiedliche Menschen unserer Gemeinde zusammenführt“, die sich „über Monate hinweg mit einer künstlerisch wie politisch und weltanschaulich recht widersprüchlichen und komplizierten Persönlichkeit“ auseinandersetzen. Sie finde es „hilfreich, wenn sich viele gemeinsam an Fidus abarbeiten, auch um sich selbst und den anderen Bürger besser verstehen zu lernen und gemeinsam herauszufinden, dass auf Achtung beruhendes Miteinander trotz erheblicher Unterschiede allemal besser ist, als verbissenes und dumpfes Gegeneinander“.
Nächste Veranstaltung: Am 12. Mai eröffnet eine gemeinsame Ausstellung des Verschönerungsvereins und Vereins Alte Schule zu Fidus im Heimatmuseum und in der Alten Schule.