Ein Schlüsselerlebnis, das Susanne Branding bestärkte, die Messungen mit auf den Weg zu bringen, war der Umzug einer Mieterin innerhalb der Friedrichstraße. Sie zog von einer Wohnung, die von der Straße weg zeigte,  in eine zur Straße gerichtete Wohnung. „Und mit einem Mal musste sie alle zwei bis drei Tage ihre Fenster putzen, was vorher nicht der Fall war“, sagt die Geschäftsführerin der Wohnungsgesellschaft. Nun weiß Susanne Branding auch, dass Feinstaub nicht sichtbar ist, für sie war es aber ein Indiz dafür, wie stark die Luft an Erkners Hauptverkehrsader verschmutzt sein muss. Ob es hier auch erhöhte Feinstaub-Konzentrationen gibt, möchte sie zusammen mit der Stadt in einem Jahr herausgefunden haben.
Die Erkenntnisse sollen über das Projekt Luftdaten Brandenburg  gewonnen werden. Es funktioniert so: An Gebäuden viel befahrener Straßen werden Feinstaub-Messgeräte angebracht, die ihre Werte per WLAN an die Internet-Seite https://luftdaten.info/ übermitteln. Jedes Gerät hat eine Nummer, über die der Geräteinhaber auf die Daten zurückgreifen kann. Wer will kann sie auch öffentlich machen. Sie erscheinen dann auf der genannten Internetseite auf einer virtuellen Deutschland- und Weltkarte – als eine von hunderten Waben in unterschiedlichen Farben. Sind sie grün und gelb ist das positiv, dann bewegen sich die Werte im Bereich bis zu 50 Mikrogramm je Kubikmeter Luft. In Deutschland dürfen diese 50 Mikrogramm laut Bundesimmissionschutzgesetz an einem Ort an maximal 35 Tagen pro Jahr überschritten werden.
Von drei geplanten Messanlagen in der Friedrichstraße ist eine angebracht – etwa 2,50 Meter über der Straße. Die anderen beiden werden noch höher installiert. Die Kosten für die Anschaffung von 190 Euro pro Gerät übernimmt die WGE, für WLAN und Strom kommen die Mieter auf. Susanne Branding ist dankbar, drei Paten für das Projekt gewonnen zu haben. „In der ersten Woche lagen wir mit den Werten im grünen Bereich, spannend wird es im Sommer, wenn trockene Luft, Hitze, Staub und Stau zusammenkommen“, sagt sie.
Feinstaub besteht aus winzigen Partikeln, die in der Luft schweben und einen Durchmesser von weniger als zehn Mikrometern haben – das entspricht einem hundertstel Millimeter. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Rußpartikel, Reifen-, Kupplungs- und Bremsenabrieb. Feinstaub kann natürliche Ursprünge wie Waldbrände haben, ein Großteil trägt aber der motorisierte Straßenverkehr bei, wie Thomas Frey, Sprecher des Landesamtes für Umwelt, erklärt.
Außerhalb der Friedrichstraße soll nicht gemessen werden. „Das ist Erkners Hauptverkehrsstraße, wenn hier die Grenzwerte nicht erreicht werden, dann woanders auch nicht“, sagt Susanne Branding, für die das Projekt wunderbar zur WGE als umweltfreundlichem und nachhaltigem Unternehmen passt. Eines der Beispiele: Auf der Garage des neuen Wohnhauses, das die Wohnungsgesellschaft gerade auf dem alten Marktplatz in der Friedrichstraße baut, wird es eine Grünfläche geben, die Luft filtern soll. Für die Zukunft kann sich Susanne Branding in Erkner begrünte Häuser-Fassaden vorstellen, die dieselbe Funktion haben. Alle Messungen seien mit der Stadt abgestimmt, betont sie. Im Ergebnis würden gegebenenfalls weitere Maßnahmen diskutiert und in die Lärmaktionsplanung aufgenommen, sagt Bauamtsleiterin Claudia Günzel.
Sie weist darauf hin, dass bereits im Zusammenhang mit dem Bau des City-Centers eine Schadstoffanalyse durchgeführt wurde.  Dabei seien „keine bedenklichen Werte“ ermittelt worden.