Beim Kirchturmfest hatte er alle Hände voll zu tun. Denn dem Start in den Advent, veranstaltet vom Verschönerungsverein und dem Verein Alte Schule, hätte etwas gefehlt, wenn der Rundfunkjournalist Ulrich Lipka nicht in die Rolle des Weihnachtsmanns geschlüpft war. Da er in diesem Metier nur hin und wieder aushilft, besaß er noch nicht mal einen Mantel. Den besorgte er sich bei der Erkneraner Woltersdorfer Karnevalgemeinschaft. "Nur leider war er etwas eng", erzählt Lipka.
Die Kinder waren jedenfalls ganz begeistert und fragten den Weihnachtsmann, ob sie ein Gedicht vortragen sollen. Mit tiefer Stimme antwortete dann der so Angesprochene: "Ja, wenn du möchtest." Und griff danach in seinen Sack und verteilte Süßigkeiten.
"Ich habe den Kindern erzählt, dass ich mich mit meinen Wichteln den ganzen Sommer über in den Kranichsbergen versteckt gehalten und nur ab und zu geschaut habe, ob die Kinder auch schön brav waren. Ich weiß allerdings nicht, ob mir das alle geglaubt haben", sagt der Journalist. Aber alle Kinder seien zufrieden gewesen, bis auf ein Mädchen, das sich etwas gefürchtet habe.
Sogar eine Rute hatte Lipka dabei. "Ich fragte die Kinder, ob ihre Eltern auch schön brav waren. Die Kinder haben aber alle mit Ja geantwortet."
Lipka lebt mit seiner Frau und den beiden Töchtern (12 und 16 Jahre alt) im Woltersdorfer Komponistenviertel. Als die Mädchen noch klein waren, kam regelmäßig zu Heiligabend der als Weihnachtsmann verkleidete Nachbar vorbei. Lipka revanchierte sich dann bei dessen Familie. Er selbst kann sich nur vage erinnern, dass seine Großmutter wohl einmal den Weihnachtsmann gespielt hatte. "Sie war eine sehr energische Frau. Das passte", erinnert sich der Moderator der Woltersdorfer Gesprächsreihe "Aus der Schule geplaudert".
Für Lipka ist Weihnachten mittlerweile in erster Linie "ein schönes Familienfest", wie er sagt. Diesmal werden zu Heiligabend mehrere Verwandte in Woltersdorf erwartet. Wie in den vergangenen Jahren wird es dann Raclette geben.
Anders als Ulrich Lipka ist der Fürstenwalder Gernold Plieth regelmäßig zu Heiliabend unterwegs. Seit sechs Jahren macht sich der 54-Jährige an diesem Tag zu Familien auf, die einen Weihnachtsmann beim Fürstenwalder Tourismusverein vorab bestellt haben. Von leuchtenden Kinderaugen über nonchalante Bestechungsversuche bis hin zu verängstigten Blicken hat der Fürstenwalder schon einiges erlebt.
Um an die Geschenke zu gelangen, spricht er sich mit den Familien ein paar Tage vor der Bescherung ab. "Sie verstecken dann den vollgepackten Sack an einer vereinbarten Stelle und ich bringe ihn dann mit ins Haus", erklärt er das Prozedere. Dabei tauschen sich beide Seiten auch über Details zu den Kindern aus. "Dann kann ich nämlich später sagen, dass ich Post aus Himmelpfort bekommen habe und über die Taten der Kinder aus dem vergangenen Jahr Bescheid weiß", sagt Gernold Plieth und beschreibt, wie in solchen Momenten die Gesichtszüge mancher Kinder schon entglitten sind.
Aber auch Anekdoten von elterlicher Seite sind ihm in Erinnerung geblieben. So ist es nicht selten, dass Eltern sich eine perfekt inszenierte Bescherung wünschen. "Das geht aber nicht immer gut. Meist ist schon nach fünf bis sieben Minuten alles vorbei", spricht der Hobby-Weihnachtsmann aus Erfahrung. Und das, obwohl für seinen Besuch rund 20 Minuten angesetzt sind. Aber wenn erst einmal alle Geschenke verteilt sind, dann fliegen auch schon die Papierfetzen durch die Gegend.
Ein Dankeschön an den Weihnachtsmann wird dabei schnell vergessen. "Es sind eben Kinder und an diesem Tag sind sie die Hauptpersonen", sagt der Fürstenwalder gelassen. Den Eltern ist das dann manchmal unangenehm, aber Gernold Plieth erinnert sie dann daran, wie sie wohl als Kind reagiert hätten. Die meisten zeigen dann doch Verständnis.
Bei insgesamt neun Familien zwischen Fürstenwalde und Woltersdorf wird er an diesem Abend zu Gast sein. "Um 15 Uhr geht es los und um halb acht ist die letzte Familie dran", sagt er. Mit einem Schlitten wird er heute nicht unterwegs sein. "Das mache ich alles mit dem Auto", verrät der Fürstenwalder Hobby-Weihnachtsmann.