"Es hat sich aber keiner dafür interessiert", erinnert sich die Vereinsvorsitzende Elisabeth Turowski. Der Zufall führte sie mit dem Künstler Michael Sommer zusammen. Dem 36-jährigen Berliner mit klassischer Ausbildung als Keramiker gefiel das Projekt. Und da sich seiner Meinung nach ein solches Flächenmodell sehr gut in Ton formen lässt, hat er seine Mitarbeit angeboten und den Materialwechsel vorgeschlagen.
Gesagt, getan. Sechs Mädchen und Jungen treffen sich inzwischen alle 14 Tage mit dem Künstler in der Alten Schule. Um den Werkstoff Ton besser kennenzulernen, hat jeder sein Wohnhaus oder ein prägnantes Gebäude aus dem Dorf getöpfert. Jetzt entsteht die Skizze für das Modell. Da dieses als Mosaik entstehen soll, dient eine topografische Karte aus dem Jahr 2006 als Grundlage. Von ihr pausen die Kinder Quadrat für Quadrat ab, so dass Höhenlinien, Straßenzüge und Gebäude zu erkennen sind. Die Karte aus dem 19. Jahrhundert wird später wegen der damaligen Bebauung hinzugezogen.
Während die Kinder sich der Fleißarbeit widmen, kommt die Ortsgeschichte immer wieder zur Sprache. "So schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe. Die Kinder sind kreativ und erfahren zugleich mehr über ihr Dorf", sagt Elisabeth Turowski. So sind sie zum Beispiel über die Begriffe Bruch und Luch gestolpert. Jasmin Schilling erinnert sich, vom Schlagenluch gehört zu haben. Und was ist das? "Eine Bushaltestelle", sagt die Elfjährige. Elisabeth Turowski schmunzelt und erklärt den Unterschied von Luch und Bruch, von Erhöhung und Vertiefung in der Natur.
Eben diese sollen durch das Modell sichtbar werden, zeigen, in welches Gelände das Dorf gebettet ist. "Mich interessiert, wie das früher hier war. Ich dachte gar nicht, dass Kagel so alt ist", sagt Lara Nixdorf, die aber auch von ihrem Opa, dem Fischer Bernd Lupe, schon viel darüber weiß. Zwei Jahre läuft das Projekt, bei dem auch geschichtete Platten mit eingeritzten Strukturen und aufgesetzten Miniatur-Gebäuden entstehen. Genug Zeit, noch mehr über die Dorfgeschichte zu erfahren.