Der Vorsitzende des SV Woltersdorf, Peter Bienia, fiel vor zwei Wochen aus allen Wolken, als er die MOZ aufschlug. Im Sozialausschuss hatte Vogel die Ergebnisse einer Befragung kundgetan - Tenor: Der Bedarf für eine neue Sporthalle ist gar nicht so groß.
Bienia sagte am Donnerstagabend, als eine allgemeine Bürgerversammlung sich der Debatte über das Leitbild anschloss, er sei entsetzt gewesen. Die tatsächliche Situation sei anders: "Wir können in keiner Abteilung mehr Kinder aufnehmen." Die jetzigen Zustände mit der kleinen und alten Halle an der Vogelsdorfer Straße hemme den Verein in allen Bereichen, beim Mädchentanz müsse man eine sehr hohe Miete zahlen. Die Auskunft bei der Umfrage habe sich auf die aktuelle Situation bezogen. Auch für den Schulsport sei eine neue Halle dringend nötig.
Vogel sagte, zwar habe die Gemeinde das Geld angespart, um die Halle zu bauen. Aber die Refinanzierung der Folgekosten sei nie betriebswirtschaftlich geprüft worden. "Die Halle, so wie sie jetzt geplant ist, ist für uns schlicht zwei Nummern zu groß, wir können sie uns nicht leisten." Sie soll rund drei Millionen Euro kosten und ist fix und fertig geplant. Wenn sie gebaut würde, wäre die Gemeinde blank, hätte keine Reserven mehr; sogar die Eigenständigkeit Woltersdorfs sieht er in Gefahr. Man müsse über Alternativen reden. Auch aus seiner Sicht sei klar, dass in der Hallensituation etwas geschehen müsse.
Monika Kilian von der SPD nannte Vogels Aussagen eine Frechheit. Es gebe einstimmige Beschlüsse der Abgeordneten, die Halle zu bauen, "auch in Ihrer Legislaturperiode". Vogel bekannte sich zu einem Teil Mitverantwortung dafür, dass die finanzielle Lage der Gemeinde lange nicht erkannt worden sei, lastete das aber auch anderen an.
Monika Kilian erwiderte, die Gemeinde habe immer wieder Geld aus Grundstücks-Verkäufen eingenommen. "Die Grundstücke sind längst nicht alle."
Auch Rita Herrmann, Gemeindevertreterin der Linken, die meist fest an der Seite Vogels steht, sagte: "Wir brauchen die Halle." Die Zahlungsbereitschaft der Vereine werde sich ändern, wenn sie gebaut sei. Holger Dymke, SPD-Ortschef und sachkundiger Bürger im Sozialausschuss, vermisste bei Vogel Werbung für die Halle.
Ein Bürger fragte, auf Grundlage welcher Daten die Halle geplant worden sei. Vogel sagte dazu, niemand sei gefragt worden, wer bereit sei, für die Mehrzwecknutzung, die die Baukosten in die Höhe treibe, die tatsächlich anfallenden Nutzungskosten zu zahlen, "mehr als 1000 Euro pro Abend"; der Woltersdorfer Karnevalsverein zum Beispiel könne dies sicher nicht.
Heinz Vogel, Abgeordneter des Woltersdorfer Bürgerforums, erinnerte daran, dass man schon von einer Drei-Felder-Halle abgerückt sei. Die Entscheidung für eine Halle sei eine politische gewesen, um den Ort für Kinder und Jugendliche attraktiv zu machen. Man werde wohl in Woltersdorf keinen Bau in dieser Größenordnung mehr haben.
Bernd Brauer schlug vor, man solle das Vorhaben noch einmal von Externen durchrechnen lassen; so könne man zu einer emotionsfreien Entscheidung kommen. Diese Idee will der Bürgermeister gern aufgreifen. Eine Bürgerin sagte: "Wenn hier keine sachliche Diskussion zustande kommt, bin ich dafür, dass wir uns Erkner anschließen."