Es tröpfelt eher, als dass es strömt. Das Wahlvolk kommt an diesem Nachmittag nur sehr vereinzelt aus dem Bahnhof Erkner. Martin Hampel erhält dadurch die Gelegenheit, jeden einzelnen Passanten anzusprechen. "Schönen guten Tag. Darf ich Ihnen etwas mitgeben?", lautet sein Standardspruch. Dann drückt er denjenigen, die nicht abwinken oder sofort weitergehen, einen Faltzettel in die Hand. "Klarmachen zum Ändern!", steht darauf.
"Es läuft zäh", sagt Hampel, der nach 2009 bereits zum zweiten Mal Straßenwahlkampf bei einer Bundestagswahl macht; zum ersten Mal für sich selbst als Direktkandidaten. "Wer am Bahnhof unterwegs ist, hat es entweder eilig, zur Arbeit zu kommen, oder will schnell nach Hause." Wenn aber jemand stehen bleibt, dann ergeben sich auch mal längere Gespräche. Das kann mit jüngeren Leuten sein, aber auch mancher, der nicht mehr im Studentenalter ist, interessiert sich für das Programm. Wie zum Beispiel Petra Rawe aus Erkner. Ob sie die Partei wählen wird, will die Pendlerin, die gerade aus Berlin von der Arbeit kommt, nicht sagen.
Den 32-jährigen Hampel würde es natürlich freuen, auch wenn er seine Chance auf ein Mandat selbst als niedrig einschätzt. Er sieht den Wahlkampf vor allem als Gelegenheit, die Fahne der Piraten hochzuhalten. "Wir sind die Guten", sagt Hampel, der vor vier Jahren in die Partei eintrat, weil er unzufrieden war mit der Politik der großen Parteien. "Ich habe mir gesagt: Bevor ich nicht mehr wählen gehe, mache ich lieber selbst Politik", sagt Hampel.
Zwei bis drei Wahlkampf-Termine absolviert der gebürtige Frankfurter pro Woche. Seine Familie, Hampel hat zwei Söhne, und seine Arbeit nehmen den Rest seiner Zeit in Anspruch. Seit diesem Sommer ist der Medien- und Erlebnispädagoge Leiter der Lernwerkstatt Mikado-Crew in Frankfurt; zuvor war er an der Oberschule Ulrich von Hutten als Sozialarbeiter tätig. In der Lernwerkstatt führt Hampel Schulverweigerer wieder an einen geregelten Alltag heran. "Wir wollen den Jugendlichen mindestens einen Hauptschulabschluss ermöglichen und begleiten sie bis in den Beruf."