Die Bewohner der Landhofsiedlung können es nicht verstehen. "Das Abwasserkonzept ist ein großer Baustein unserer ökologischen Siedlung. Es ist überregional anerkannt. Sogar aus Japan und Südkorea waren schon Naturschutzvereine bei uns, um sich alles anzusehen", sagt Regine Weigelt-Kirchner. Die 48-jährige Landschaftsplanerin wohnt in der Siedlung und kümmert sich um die Kläranlage. "Wir müssen jährlich Proben nehmen und die ermittelten Werte liegen immer weit unter den zugelassenen Grenzwerten", betont sie.
In der Anlage läuft das sogenannte Grauwasser über einen Sammelschacht in zwei mit Schilf besetzte Becken, wo die erste Reinigung erfolgt, Fett und Seife sich ablagern und zu Erde werden. Von dort gelangt das Wasser in ein weiteres Becken, wo es über einen Kiesfilter läuft, in dem ebenfalls Schilf wächst. Schließlich versickert es im Endschacht. Mehrere hundert Quadratmeter nimmt die Anlage in Anspruch. "Mit 124 000 D-Mark wurde sie vom Land Brandenburg gefördert - mit der Maßgabe, dass sie mindestens 15 Jahre läuft", sagt Regine Weigelt-Kirchner. Das ist jetzt 20 Jahre her. Fäkalien werden über Trockentoiletten in jedem Haus gesondert entsorgt. Alles funktioniert wunderbar.
Die Untere Wasserbehörde des Kreises und der Wasserverband Strausberg-Erkner (WSE) verlängerten die befristete Erlaubnis für die Anlage - zuletzt 2004 für weitere zehn Jahre. 2014 wurde eine Übergangsregelung bis 31. Dezember 2015 getroffen. Jetzt könnte der Anschlusszwang ans Abwassernetz aber schon eher greifen. "Wir müssen unsere Kläranlage abreißen", ärgert sich Regine Weigelt-Kirchner. Kompromissvorschläge, etwa der, das gereinigte Wasser gegen ein geringeres Entgelt ins Abwassernetz zu leiten, hatten keinen Erfolg. Auch ein Schreiben des Schöneicher Bürgermeisters, Heinrich Jüttner, der Verband und Behörde im März 2014 mitteilte, dass die Gemeinde ausdrücklich "den Erhalt und die Fortsetzung dieses bedeutsamen und erfolgreichen Modellvorhabens befürwortet", änderte nichts.
Aus Sicht des Verbandes besteht keine Notwendigkeit, sich nach einer Ausnahmegenehmigung umzusehen. "Warum sollten wir das tun? Wir bauen jetzt einen Abwasserkanal, der wird von allen finanziert und darum haben wir ein Interesse, alle anzuschließen", sagt André Bähler, technischer Leiter des WSE. Derzeit erfolge die Ausschreibung der Arbeiten. Sobald der Kanal fertig sei, bestehe auch für die Siedlung Anschlusszwang.
"Bereits in der wasserrechtlichen Erlaubnis vom 2. März 2009 zum Betrieb der Kleinkläranlage ist die auflösende Bedingung enthalten, dass die Erlaubnis mit der betriebsbereiten Herstellung einer öffentlichen Abwasserkanalisation erlischt", teilt Kreissprecher Mario Behnke auf Nachfrage mit. Die Rechtsfolge sei den Bewohnern somit bekannt gewesen. "Ein Ermessen, hier anders zu entscheiden, ist sowohl dem Wasserverband als auch der unteren Wasserbehörde nicht eingeräumt." Der Verband weist zudem darauf hin, dass der neue Anschluss auch zehn weiteren Grundstücken auf der gegenüberliegenden Straßenseite zugute kommt.
Die Landhofsiedlung unweit der Dorfaue ist die einzige Wohnanlage im gesamten Verbandsgebiet, die (noch) über eine Pflanzenkläranlage verfügt.