Rund 200 Demonstranten haben am Dienstagvormittag dagegen protestiert, dass das Domizil der Gesellschaft für Arbeit und Soziales (Gefas) allein unter finanziellen Gesichtspunkten verkauft wird. Ob ihre Stimme gehört wird, blieb erneut offen.
Seit April geht die Existenzangst um am Fichtenauer Weg. Die Bahn hat ihre dortige Immobilie, die seit Sommer 2007 die Heimstatt der Gesellschaft für Arbeit und Soziales (Gefas) ist, zum Verkauf ausgeschrieben. Die zahlreichen Projekte für sozial Bedürftige, die die Gefas anbietet, wären bedroht, wenn es zur Veräußerung an einen Investor kommt – davon ist Gefas-Chef Siegfried Unger überzeugt. Der Wohltätigkeitsverein hatte daher für Dienstag zu einer Demonstration aufgerufen. Denn um 10 Uhr sollten die Bieter Gelegenheit zur Besichtigung erhalten. Doch niemand gab sich als Interessent zu erkennen.
Erkners Bürgermeister Henryk Pilz wusste den Grund: Ihn hatte am Vorabend die Nachricht erreicht, dass die Bahn den Besichtigungstermin abgesagt habe. Die Stadt hat auch ein Gebot abgegeben. Beteiligt hat sich auch die Gefas selbst und dabei ihr Angebot nach Ungers Aussage zweimal nach oben korrigiert. Die Stadt war, so Pilz’ Vermutung, in ihrer Eigenschaft als Bieterin über die Absage informiert worden; Unger zeigte sich am Dienstagmorgen von der Absage überrascht – ihn hatte keine solche Information erreicht. Die Pressestelle der Bahn antwortete auf eine MOZ-Anfrage bis Redaktionsschluss erneut nicht, kündigte aber eine Stellungnahme an.
Unger kritisierte das Schweigen der Bahn, als er am Fichtenauer Weg vor den Demonstranten sprach. Wie die Situation auch von der Politik eingeschätzt wird, war an der Anwesenheit zahlreicher Amtsträger zu erkennen, die in ihren Reden alle den Staatskonzern an seine soziale Verantwortung erinnerten: Die hochrangigste Teilnehmerin war Sozialministerin Diana Golze (Linke), die im Namen der ganzen Landesregierung ihre Solidarität bekundete. Ihre Anwesenheit sei mit Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) abgestimmt. Pilz zeigte sich optimistisch: „Ich verspreche Ihnen, wir finden eine Lösung.“
Für den Marsch durch Erkner bis zur Ecke Friedrich-/Seestraße hatte Heide Knaack einen „Gefas-Rap“ zum Mitsingen getextet: „Wir wollen Gefas/Wir brauchen Gefas/Gefas braucht das Haus/Das ist unser Haus“ lautete der Refrain, den die Teilnehmer immer wieder sangen. Der Zug wurde von der Polizei eskortiert, am Friedensplatz bildeten sich lange Autoschlangen aus Richtung Berlin und Zentrum. Zu den Teilnehmern gehörten auch Schüler und Lehrer der Regine-Hildebrandt-Schule für Geistigbehinderte in der Ahornallee. Seit zehn Jahren feiern die Abgänger bei der Gefas jedes Jahr einen Abschlussball; für Dienstagabend war die Veranstaltung wieder vorgesehen. Lehrerin Cornelia Langnickel begründete ihre Anwesenheit so: „Ich bin hier, weil Regine hier gewesen wäre.“