Wer dieser Tage über die Hintertür ins Rathaus von Erkner will, kommt nicht mit leeren Händen. Säcke-, kisten-, kofferweise werden hier Hilfsgüter für die Ukraine abgegeben. Immer wieder kommt es zu besonderen Momenten, bleiben Gänsehaut und Tränen nicht aus. „Die Bereitschaft zu helfen, sei einfach überwältigend“, sagt Stadtsprecherin Daniela Sell, die die Annahme der Spenden koordiniert.

Viele Sorgen schwingen mit

Angelaufen ist die Aktion in Erkner vorigen Donnerstag. Gerade an den ersten beiden Tagen seien viele ältere Menschen gekommen, die zum Teil selber auf der Flucht waren und auch über ihre Sorgen reden wollten. „Nicht wenige sprachen von der Angst, dass der Krieg nicht an der ukrainisch-polnischen Grenze halt macht“, erzählt Daniela Sell. Viele Spendenübergaben liefen sehr emotional ab. Leute, die Sachen vorbeibringen, machte die Vielzahl der bereits gesammelten Dinge sprachlos. Und diejenigen, die mit der Annahme befasst sind, beeindruckt der nicht abreißenden Zustrom.
Gut sortiert: In der Rathaus-Cafeteria türmen sich Matratzen und Bettzeug auf – davon wird nicht mehr benötigt.
Gut sortiert: In der Rathaus-Cafeteria türmen sich Matratzen und Bettzeug auf – davon wird nicht mehr benötigt.
© Foto: Anke Beißer

Selbst die kleinste Spende hilft

„Manche Leute kommen und fragen, was noch fehlt. Gehen weg und kommen mit der entsprechenden Sache wieder“, sagt die Stadtsprecherin. Sie selbst habe am Sonnabend beim Einkauf in Erkner gemerkt, dass manche Waren in den Regalen rar waren. Einige hat sie dann in den Kisten im Rathauskeller entdeckt. „Viele sind wirklich sehr großzügig, geben nicht nur aus ihrem eigenen Vorratslager ab.“ Als Beispiel nennt sie Artikel wie Babynahrung, Windeln, Zahnpasta und haltbare Lebensmittel. Anderen Spendern habe sie angemerkt, dass es ihnen aus ihrer eigenen Situation heraus nicht leicht fällt, etwas abzugeben, sie es trotzdem tun und sich fast dafür entschuldigen, dass es nur wenig ist. „Aber jede Spende, auch die kleinste, ist wichtig und hilft“, lobt sie jedwede großherzige Unterstützung.

Spontane Hilfe ist keine Ausnahme

Wie spontan manch Helfer ist, zeigt das Beispiel einer Erkneranerin. Sie war am Sonnabend nur gekommen, um ihre Spende abzugeben. „Ihr wirkt total überfordert“, erinnert sich Daniela Sell an ihre erste Reaktion. Tatsächlich seien sie kaum klar gekommen, die unerwartete Fülle der Spenden anzunehmen, zu sortieren und zu lagern. Die Frau habe gefragt, ob sie mit ihrem Mann und ihren zwei großen Töchtern mit anpacken kann. Schließlich gebe es nicht viel, was man in der Situation machen könne. Aus der kurzen Abgabe ihrer Spende wurde ein eineinhalbstündiger Einsatz. „Am Sonntag sind die Vier noch mal gekommen, und haben wieder mit gepackt“, freut sich Daniela Sell über die spontane Aktion, die ein Beispiel, nicht die Ausnahme ist.
Packhilfe gebe es zudem von der evangelischen und der katholischen Kirchengemeinde sowie dem Unterstützerkreis. „Wir sind ein bunter Haufen“, freut sich Daniela Sell über die Vielfalt.
Zweckentfremdet: Sogar das Zimmer eines Ordnungsamtsmitarbeiters wird als Lagerraum benötigt.
Zweckentfremdet: Sogar das Zimmer eines Ordnungsamtsmitarbeiters wird als Lagerraum benötigt.
© Foto: Anke Beißer

Bitte keine Kissen, Matratzen und Steppdecken mehr abgeben

Noch weitere zwei Tage  – Dienstag und Mittwoch (8. und 9. März)  – werden jeweils in der Zeit von 10 bis 12 und 14 bis 16 Uhr Spenden entgegen genommen. Was nicht mehr benötigt wird, sind Kissen, Steppdecken und Matratzen. „Wir können das logistisch nicht mehr händeln“, erklärt die Sprecherin. Zudem wird keine Kleidung angenommen. „Was schon da ist, geht zum Roten Kreuz.“ Dringend benötigt werden noch große Kartons und Umzugskisten.

Frankfurt (Oder)/ Cottbus

Spendenfreude führt zu Transportproblem

Die Fracht soll am Donnerstag verladen und zu 15 Uhr nach Lobetal gebracht werden. Allerdings galt es davor noch ein Problem zu lösen. „Wir dachten, wir schaffen das mit Privatfahrzeugen, vielleicht einem Sprinter. Jetzt brauchen wir eine Spedition.“ Aber auch hier ist der Weg inzwischen frei. Dank Ralph Albrecht aus Woltersdorf gibt es nun kostenlos einen Lkw, den ein Bauholfmitarbeiter zur Ukraine-Hilfe nach Lobetal fährt.
Mehr zur Ukraine-Hilfe gibt es auf einer Themenseite.
Alle aktuellen Entwicklungen im Krieg zwischen Russland und der Ukraine gibt es in einem Liveticker.

Spendenaktion „Brandenburg hilft Flüchtlingen aus der Ukraine“

Das Spendenkonto lautet:Caritasverband BerlinIBAN: DE31 1002 0500 0003 2135 00BIC: BFSWDE33BERStichwort: „Ukraine – Brandenburg hilft“
Ehrenamtliche, die in Berlin oder Brandenburg tätig werden möchten, können sich an Katja Eichhorn wenden: k.eichhorn@caritas-berlin.de