Seit September war der Verkehr auf der S 3 an fast jedem Wochenende zwischen Erkner und Köpenick unterbrochen; Grund sind umfangreiche Arbeiten an einem neuen elektronischen Stellwerk für die Strecke. Der Regional- und Fernbahnverkehr läuft schon über ein elektronisches Stellwerk.
Den Hintergrund dieser Arbeiten hat der Geschäftsführer der S-Bahn, Peter Buchner, jetzt Stock auf drängende Nachfragen erläutert. Demnach geht das ganze Bauprogramm von dem Ziel aus, die Bahnstrecke zwischen Berlin und Warschau für hohe Geschwindigkeiten auszubauen; nur der Abschnitt von Berlin bis Erkner fehle noch. Damit dort gebaut werden kann, werde die S 3 "längere Zeit in Teilabschnitten nur eingleisig verkehren können", so Buchner. Was das genau bedeutet, war am Dienstag auf Nachfragen nicht zu ermitteln. Und damit auf dem einen Gleis in beide Richtungen gefahren werden kann, braucht die Bahn das elektronische Stellwerk - und das sind die Arbeiten, die an den Wochenenden die vielen Einschränkungen auslösen.
Was diese Woche läuft, hat nach Auskunft von Bauüberwacher Uwe Brettin damit nur mittelbar zu tun - zwischen Köpenick und Friedrichshagen werden Schwellen gewechselt. Grund dafür, dass diese Arbeiten nicht nachts an einem Wochenende ausgeführt werden, seien nicht erteilte Genehmigungen wegen Ruhestörung in Berlin. Tatsächlich waren am Dienstag auf dem besagten Abschnitt größere Bautrupps zu sehen.
Die hat Wolfgang Stock beim Passieren der Strecke mit dem Regionalexpress wiederholt nicht auf der ganzen Länge gesehen; deshalb fragt er, warum der Zugverkehr aus Richtung Berlin in Köpenick enden musste, wenn doch östlich davon kaum Gleisbauarbeiten zu sehen waren. Die Züge hätten doch wenigstens bis Friedrichshagen oder Rahnsdorf fahren können, meint Stock. Buchner verweist in seiner Antwort auf die heutigen Vorschriften zum Arbeitsschutz. Die Gleise lägen zu nah zusammen, um auf einem Gleis zu bauen und auf dem anderen zu fahren.
Buchner, dessen transparente Darstellung der Situation Stock ausdrücklich lobt, macht auch keine Hoffnung auf störungsfreie Wochenenden, sondern wiederholt im wesentlichen, was die Bahn auch schon früher mitgeteilt hat. Bis Ende 2015 dauern die Arbeiten am besagten Stellwerk, dann folgen Arbeiten zwischen Karlshorst und Ostkreuz, und wenn das alles bis Ende 2016 fertig wird, ist die Fernbahn an der Reihe.
Folgen haben die weiteren Sperrungen gerade an den Wochenenden auch für die Fans des 1. FC Union Berlin aus Ostbrandenburg - sie steigen bei regulärem Verkehr oft genug in Erkner in die S-Bahn um. Die Bahn hat sich laut Buchner bei der Deutschen Fußball-Liga für eine Verlegung vom Heimspielen ausgesprochen, sei damit aber nicht durchgedrungen. Am 7. Dezember, wenn die Eisernen um 13.30 Uhr gegen den FSV Frankfurt antreten, wird der Fan-Andrang dann eben mit Bussen aus Richtung Erkner abgewickelt.
Dass die Einschränkungen Auswirkungen auf das Verhalten der Pendler haben, bestätigen die Straßenbahnen in Woltersdorf und Schöneiche, die jetzt weniger Fahrgäste haben. Exakte Angaben hat weder Betriebsleiter Sebastian Stahl in Schöneiche noch Geschäftsführerin Monika Viktor in Woltersdorf. Der Regionalexpress ab Erkner ist die erste Alternative - aber zu den Stoßzeiten ist er ohnehin überfüllt. Wer das Auto nimmt, hat es auch nicht leicht - der Fürstenwalder Damm ist ab etwa Strandbad Müggelsee bis Friedrichshagen gesperrt.
Am Dienstag teilte die Bahn neue Einschränkungen mit: In der Nacht vom 4. zum 5. November, ab 22 Uhr, gibt es Pendelverkehr zwischen Friedrichshagen und Ostkreuz. Und von 5. November, ab 13.30 Uhr, bis 6. November, 1.30 Uhr, wird der Regio zwischen Erkner und Ostbahnhof unterbrochen.