Erst war es der Frack, heute ist es der Smoking - stilvoll ist Hans-Joachim Scheitzbach immer, wenn er vor Publikum tritt. Am Dienstag gibt der langjährige erste Solo-Cellist der Komischen Oper Berlin sein 250. Kammerkonzert in Woltersdorf.
"Es dürfen keine Leute mehr kommen!" Diese ungewöhnliche Bitte stellt Hans-Joachim Scheitzbach voran. Ausverkauft sind seine Konzerte zwar seit 44 Jahren, aber diesmal ist es extrem. Zum 250. Mal steht der Musiker am Dienstag, ab 19.30 Uhr, auf der Bühne, um eines seiner Kammer- und Serenadenkonzerte in Woltersdorf zu geben. 1969 legte er die Reihe auf. Seither organisiert Scheitzbach fünf bis sechs dieser Konzerte pro Jahr, stellt die Programme zusammen, lädt die Musiker ein.
"Heinzelmännchens Wachtparade", heißt das Thema zum Jubiläum. Gespielt wird Salonmusik der 20er-Jahre. Hans-Joachim Scheitzbach wird dabei am Klavier zu erleben sein, nicht am Cello. "Eigentlich sind wir Klassiker, aber zum 250., da brechen wir mal aus", sagt Scheitzbach. Er sieht vergnügt aus.
Der Berufsmusiker ist 73 Jahre alt. Er könnte seinen Ruhestand genießen, aber das kommt nicht in Frage. Der langjährige erste Solo-Cellist der Komischen Oper braucht die Bühne. Jeden dritten Sonntag erklingt in Fürstenwalde sein Musikzyklus. Bad Saarow, Storkow und Schwedt gehören zu den regelmäßigen Auftrittsorten. Seine Konzerte moderiert er selbst. "Es ist eine Bestätigung, noch vor ausverkauften Häusern zu spielen", sagt Scheitzbach. Aufhören will er, wenn die Qualität nachlässt. Um das zu prüfen, setzt sich Ehefrau Sigrid mit einem Aufnahmegerät ins Publikum. Zu Hause wertet Scheitzbach die Mitschnitte aus. Bislang fiel das Ergebnis zufriedenstellend aus. Bei den Zuhörern sowieso. "Heute war es besonders schön", würden Leute oft sagen. "Ach hören Sie auf, ich kann mich nicht mehr steigern", antworte er dann.
Scheitzbach war elf Jahre alt, als er sein erstes Cello bekam. Er blieb bei diesem Instrument, besuchte in Leipzig die Hochschule für Musik. Es folgte eine Anstellung beim Gewandhausorchester Leipzig, später bei der Sächsischen Staatskapelle Dresden. 1967 warb ihn die Komische Oper Berlin ab. Scheitzbach brauchte eine Wohnung für sich und seine Familie - und kam 1968 nach Woltersdorf.
1969 rief er dort die Kammerkonzerte ins Leben, erst mit dem Kulturbund, nach der Wende mit dem wiederbelebten Verschönerungsverein. Seither bringt Scheitzbach musikalische Hochkultur nach Woltersdorf. "Für viele ältere Woltersdorfer ist das die einzige Möglichkeit, solche wertvollen Konzerte zu hören", sagt Gisela Schuldt, Vorsitzende des Verschönerungsvereins. Gewiss einer der Gründe dafür, dass die Konzerte von Anfang an ausgebucht sind. Scheitzbach, selbst von zäher Natur, weiß die Treue zu schätzen und sagt: "Bravo, Woltersdorf!"